Das Deutsche hat keine eigene Zukunftsflexion des Verbs, wie manche andere Sprachen sie kennen. Das Futur I bildet es stattdessen mit werden + einem Infinitiv am Satzende – demselben "Verbklammer"-Muster, das du schon von den Modalverben kennst: ein konjugiertes Verb an zweiter Stelle, und ein Infinitiv ganz am Ende.
Kurz gesagt: Konjugiere werden an zweiter Stelle, und setze das Hauptverb als reinen Infinitiv ans Satzende. Ich werde morgen ankommen.
Werden konjugieren
| werden | |
|---|---|
| ich | werde |
| du | wirst |
| er/sie/es | wird |
| wir | werden |
| ihr | werdet |
| sie/Sie | werden |
- Ich werde dich morgen anrufen.
- Sie wird bald ankommen.
- Wir werden das Problem lösen.
Wortstellung: dieselbe Klammer wie bei Modalverben
Werden nimmt die normale zweite Position ein, und der Infinitiv wandert ganz ans Ende – genau wie bei kann, muss, will und den anderen Modalverben:
- Ich kann morgen kommen. → Ich werde morgen kommen.
- Er muss das Auto reparieren. → Er wird das Auto reparieren.
Alles zwischen werden und dem Infinitiv – Objekte, Zeitangaben, alles – bleibt in der Mitte, innerhalb der "Klammer".
Im Englischen bleibt das Vollverb direkt hinter "will" stehen: I will arrive tomorrow. Im deutschen Hauptsatz mit werden steht der Infinitiv dagegen am Satzende: Ich werde morgen kommen.
Trennbare Verben bleiben zusammen
Bei einem trennbaren Verb trennt sich das Präfix im Futur nicht ab – der ganze Infinitiv wandert unversehrt ans Ende:
- ✅ Ich werde dich morgen anrufen.
- ❌ Ich werde dich morgen an, rufe. – der Infinitiv darf nie auseinandergerissen werden
Vergleiche das mit dem Präsens, wo sich das Präfix tatsächlich abtrennt: Ich rufe dich morgen an.
Das Präsens funktioniert oft genauso gut
Das Deutsche verwendet für die Zukunft häufig einfach das Präsens, besonders zusammen mit einer Zeitangabe, die schon klarmacht, dass es nicht um jetzt geht:
- Ich komme morgen.
- Wir fahren nächste Woche nach Berlin.
Verwende werden, wenn du die Zukunftsbedeutung ausdrücklich machen willst – besonders bei Vorhersagen wie Es wird regnen, die keine Zeitangabe haben, an der sie sich festmachen könnten, so wie ich komme morgen das kann. Aber auch dort ist werden nicht zwingend nötig: Das Deutsche greift oft zum Präsens, sobald der Zukunftsbezug aus der Situation ohnehin klar ist.
Im Nebensatz
In einem dass/weil/wenn-Satz (siehe Nebensätze mit "weil" und "dass") wandert die ganze Verbklammer gemeinsam ans Ende, zuerst der Infinitiv, dann werden:
- Ich weiß, dass es morgen regnen wird.
- Sie bleibt zu Hause, weil sie krank sein wird.
Nicht verwechseln mit werden im Sinne von "to become"
Werden hat noch weitere Aufgaben. Als Vollverb bedeutet es "werden" im Sinne von etwas zu werden – Ich werde Lehrer. Hier ist werde das Hauptverb des Satzes, und es steht gar kein Infinitiv am Ende. Ohne abschließenden Infinitiv kann werden auch das Hilfsverb des Passivs sein, zusammen mit einem Partizip II statt eines Infinitivs – Das Buch wird gelesen. Steht ein Infinitiv am Satzende, bildet werden eine Zukunftsform; steht dort ein Partizip II, ist es ein Passiv; steht keins von beidem da, bedeutet werden einfach "werden" im Sinne einer Veränderung.
Häufige Fehler
- ❌ Ich werde ankomme morgen. → ✅ Ich werde morgen ankommen. (das zweite Verb muss ein reiner Infinitiv sein, ganz am Ende)
- ❌ Ich werde dich morgen an, rufe. → ✅ Ich werde dich morgen anrufen. (der Infinitiv eines trennbaren Verbs bleibt im Futur zusammen)
- ❌ Ich weiß, dass es wird regnen. → ✅ Ich weiß, dass es regnen wird. (im Nebensatz wandert die ganze Klammer – erst Infinitiv, dann werden – ans Ende)
- ❌ Morgen ich werde kommen. → ✅ Morgen werde ich kommen. (das Voranstellen von morgen erzwingt weiterhin die Inversion von Subjekt und Verb, wie in jedem anderen Hauptsatz)
Kurzer Check
Setze werden und den Infinitiv an die richtige Stelle:
- Ich ___ dir morgen ___. (helfen)
- Er ___ das Buch bald ___. (lesen)
- Ich weiß, dass sie nächstes Jahr nach Berlin ___ ___. (ziehen)
- ___ du mir ___? (helfen)
Lösungen anzeigen
- Ich werde dir morgen helfen.
- Er wird das Buch bald lesen.
- Ich weiß, dass sie nächstes Jahr nach Berlin ziehen wird.
- Wirst du mir helfen?
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Das Wichtigste in Kürze
- Das Deutsche bildet die Zukunft mit werden (konjugiert, zweite Position) + einem Infinitiv am Satzende – derselben Verbklammer wie bei Modalverben.
- Der Infinitiv eines trennbaren Verbs bleibt am Ende zusammen; er trennt sich nicht wie im Präsens.
- Das Präsens deckt oft auch die Zukunft ab, besonders mit einer Zeitangabe – werden macht die Zukunftsbedeutung ausdrücklich, besonders bei Vorhersagen.
- Im Nebensatz steht der Infinitiv vor werden, und beide stehen zusammen ganz am Ende.
- Werden bedeutet als Vollverb auch "werden" im Sinne einer Veränderung und dient als Hilfsverb im Passiv (mit Partizip II statt Infinitiv) – fehlt der Infinitiv am Ende, ist eines von beiden gemeint.