Du kennst schon das Perfekt (ich habe gemacht) und das Präteritum von haben und sein (hatte, war). Das Plusquamperfekt verbindet Bausteine, die du schon kennst: Statt habe/bin + Partizip II verwendest du hatte/war + genau dasselbe Partizip II. Es entspricht dem englischen "had done" – es sagt nicht nur, dass etwas in der Vergangenheit passiert ist, sondern zeigt, dass es vor einem anderen vergangenen Ereignis passiert ist.

Kurz gesagt: hatte oder war (je nachdem, was das Verb im Perfekt verwenden würde) + Partizip II – genau die Struktur des Perfekts, nur mit dem Präteritum des Hilfsverbs statt der Präsensform. Im Hauptsatz steht das Partizip am Ende, nach dem Hilfsverb; im Nebensatz wandert das Hilfsverb selbst ganz ans Ende, hinter das Partizip.

Das Plusquamperfekt mit hatte bilden

Bei jedem Verb, das im Perfekt haben verwendet, setzt man im Plusquamperfekt einfach hatte, hattest und so weiter ein, das Partizip bleibt unverändert:

Person hatte + Partizip II
ich hatte gegessen
du hattest gegessen
er/sie/es hatte gegessen
wir hatten gegessen
ihr hattet gegessen
sie/Sie hatten gegessen
  • Ich hatte schon gegessen.
  • Wir hatten die Hausaufgaben gemacht.

Das Plusquamperfekt mit war bilden

Bei Verben, die im Perfekt sein verwenden – vor allem Bewegung und Zustandsänderung –, setzt man im Plusquamperfekt war, warst und so weiter ein:

Person war + Partizip II
ich war gegangen
du warst gegangen
er/sie/es war gegangen
wir waren gegangen
ihr wart gegangen
sie/Sie waren gegangen
  • Sie war schon nach Hause gegangen.
  • Wir waren angekommen, bevor es dunkel wurde.

Die Wahl zwischen hatte und war ist genau dieselbe, die du schon vom Perfekt kennst – hier gibt es nichts Neues zu entscheiden, nur dasselbe Hilfsverb im Präteritum statt im Präsens.

Die Beispiele oben sind alle Hauptsätze, in denen das Partizip am Ende steht und das Hilfsverb seine gewohnte Position als finites Verb behält. In einem Nebensatz (nach weil, dass, als, nachdem und Ähnlichem) wandert das Hilfsverb selbst ganz ans Ende, hinter das Partizip – ..., weil ich das schon gegessen hatte. – aber diese Verschiebung der Wortstellung ist ein eigenes Thema.

Warum man es benutzt: zeigen, welches Ereignis zuerst kam

Das Perfekt und das Präteritum setzen beide ein Ereignis einfach in die Vergangenheit – sie sagen nichts über die Reihenfolge zweier vergangener Ereignisse zueinander aus. Das Plusquamperfekt schließt diese Lücke: Es markiert das frühere von zwei vergangenen Ereignissen, meist neben einem zweiten Ereignis, das im Präteritum erzählt wird:

  • Nachdem ich gegessen hatte, ging ich spazieren. – Das Essen passierte zuerst, markiert mit dem Plusquamperfekt; der Spaziergang, im Präteritum erzählt, kam danach.
  • Als der Zug ankam, war der Film schon zu Ende gegangen.
  • Sie hatte den Brief schon geschrieben, bevor er anrief.

Die Wahl hängt an keinem bestimmten Wort – nachdem, als und bevor (die eigenen Regeln von nachdem für den Nebensatzbau lernst du in einer eigenen Lektion) können alle sowohl mit dem Plusquamperfekt als auch mit dem einfachen Perfekt/Präteritum stehen, weil die Reihenfolge schon aus der Bedeutung des Satzes selbst klar sein kann. Greife gezielt zum Plusquamperfekt, wenn du als Sprecher deutlich machen willst, dass ein Ereignis schon abgeschlossen war, bevor das andere passierte – nicht automatisch, sobald eines dieser Wörter auftaucht.

Im Englischen entspricht das Plusquamperfekt ziemlich genau dem "past perfect" ("had done"), und die Grundidee – ein Ereignis zeigen, das vor einem anderen vergangenen Ereignis abgeschlossen war – ist praktisch identisch. Der Unterschied liegt eher darin, wie konsequent Deutsch diese Form tatsächlich benutzt: Im Englischen ist "had done" oft schon fast Pflicht, sobald die Reihenfolge wichtig ist, während gesprochenes Deutsch bei klarem Kontext (etwa durch bevor) auch einfach beim Perfekt bleibt.

Häufige Fehler

  • Ich habe schon gegessen, bevor du kamst. ist im Gespräch üblich und nicht falsch – aber Ich hatte schon gegessen, bevor du kamst. macht die "schon vorher abgeschlossen"-Beziehung ausdrücklich klar, statt sie allein bevor zu überlassen.
  • Sie hatte nach Hause gegangen. → ✅ Sie war nach Hause gegangen. (gehen ist ein Bewegungsverb – es braucht war, nicht hatte, genau wie im Perfekt)
  • Ich hatte gegessen schon. → ✅ Ich hatte schon gegessen. (das Partizip steht weiterhin ganz am Ende des Satzes, genau wie im Perfekt – schon steht in der Mitte, nicht nach dem Partizip)

Kurzer Check

Ergänze die richtige Plusquamperfekt-Form.

  1. (essen, ich) Ich ____ schon ____, bevor sie kam. (hatte / gegessen)
  2. (gehen, er) Er ____ schon ____, als ich anrief. (war / gegangen)
  3. (lernen, wir) Wir ____ Deutsch ____, bevor wir nach Berlin zogen. (hatten / gelernt)
  4. (kommen, sie – Singular) Sie ____ schon ____, als das Essen fertig war. (war / gekommen)
Antworten anzeigen
  1. Ich hatte schon gegessen, bevor sie kam. (haben-Verb)
  2. Er war schon gegangen, als ich anrief. (Bewegungsverb → sein)
  3. Wir hatten Deutsch gelernt, bevor wir nach Berlin zogen. (haben-Verb)
  4. Sie war schon gekommen, als das Essen fertig war. (Bewegungsverb → sein)

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Plusquamperfekt ist hatte/war (das Präteritum von haben/sein) + dasselbe Partizip II, das du schon aus dem Perfekt kennst.
  • Die Wahl zwischen hatte und war ist genau dieselbe haben-oder-sein-Wahl wie im Perfekt – hier gibt es nichts Neues zu lernen.
  • Es markiert das frühere von zwei vergangenen Ereignissen – etwa das englische "had done" – meist neben einem zweiten Ereignis, das im Präteritum erzählt wird.
  • Die Wahl hängt an keinem einzelnen Wort – nachdem, als und bevor können mit dem Plusquamperfekt oder dem einfachen Perfekt/Präteritum stehen; nimm das Plusquamperfekt, wenn du gezielt zeigen willst, dass ein Ereignis vor dem anderen abgeschlossen war.
  • Die Wortstellung funktioniert genau wie im Perfekt: Im Hauptsatz steht das Hilfsverb an der gewohnten Position des finiten Verbs, das Partizip schließt den Satz ab; im Nebensatz wandert das Hilfsverb selbst ganz ans Ende, hinter das Partizip.