Du kennst schon zwei Ausnahmen von der üblichen gesprochenen Vergangenheit im Deutschen: war/hatte und die Modalverben benutzen fast immer ihr Präteritum, sogar im lockeren Gespräch. Jedes andere deutsche Verb hat auch ein Präteritum – du greifst nur im Gespräch nicht so oft danach. Stattdessen übernimmt es die Zeitform, sobald du zu schreiben beginnst: Geschichten, Romane, Nachrichten und jede Schilderung vergangener Ereignisse auf dem Papier.
Kurz gesagt: regelmäßige (schwache) Verben – Stamm + -te, -test, -te, -ten, -tet, -ten (machen → machte). Starke Verben – der Stammvokal ändert sich, und es gibt gar kein -te, nur –, -st, –, -en, -t, -en (gehen → ging). Eine kleine dritte Gruppe, gemischte Verben, verbindet beides: ein veränderter Stamm plus die schwachen -te-Endungen (bringen → brachte).
Regelmäßige Verben: Stamm + -te
Regelmäßige (auch schwache) Verben bilden das Präteritum, indem sie -te plus eine Endung an den unveränderten Stamm anhängen – genau dieselben Endungen, die du schon von hatte und den Modalverben kennst:
| Person | machen |
|---|---|
| ich | machte |
| du | machtest |
| er/sie/es | machte |
| wir | machten |
| ihr | machtet |
| sie/Sie | machten |
- Ich machte die Hausaufgaben.
- Sie spielten den ganzen Tag.
- Er lernte Deutsch in Berlin.
Wie bei hatte teilen sich ich und er/sie/es eine Form, und wir und sie/Sie eine andere.
Stämme, die auf -t oder -d enden (wie arbeiten – Stamm arbeit-) bekommen vor jeder Endung ein zusätzliches -e-, genau nach derselben Regel wie im Präsens: ich arbeitete, du arbeitetest, er arbeitete, wir arbeiteten, ihr arbeitetet, sie arbeiteten.
Starke Verben: der Stammvokal ändert sich, kein -te
Starke Verben (dieselbe Gruppe, die im Perfekt ein unregelmäßiges Partizip bildet) bekommen im Präteritum überhaupt kein -te. Stattdessen ändert sich der Stammvokal, und eine kürzere Reihe von Endungen kommt dazu – ich und er/sie/es bekommen gar keine Endung:
| Person | gehen |
|---|---|
| ich | ging |
| du | gingst |
| er/sie/es | ging |
| wir | gingen |
| ihr | gingt |
| sie/Sie | gingen |
- Ich ging nach Hause.
- Wir kamen zu spät an.
- Sie sprach kein Wort.
Es gibt keine Regel, die den neuen Stammvokal vorhersagt – genau wie bei den Partizipien in der Lektion zu starken Verben im Perfekt lernt man diese am besten als Vokabeln, Verb für Verb:
| Infinitiv | Präteritumstamm | Beispiel |
|---|---|---|
| gehen | ging | Er ging langsam. |
| kommen | kam | Sie kam früh an. |
| sehen | sah | Ich sah einen Vogel. |
| geben | gab | Er gab mir das Buch. |
| nehmen | nahm | Wir nahmen den Bus. |
| finden | fand | Sie fand den Schlüssel. |
| bleiben | blieb | Er blieb zu Hause. |
| schreiben | schrieb | Sie schrieb einen Brief. |
Der Präteritumstamm und das Partizip im Perfekt unterscheiden sich meist voneinander und vom Infinitiv – singen wird im Präteritum zu sang, im Perfekt aber zu gesungen, drei verschiedene Vokale in einem Verb. Die vollständigen Formen jedes starken Verbs lernt man am besten zusammen.
Stämme, die auf -d oder -t enden, bekommen vor du und ihr ebenfalls das zusätzliche -e-: fandest, fandet (von fand).
Gemischte Verben: veränderter Stamm, aber schwache Endungen
Eine kleine Gruppe häufiger Verben – die gemischten Verben – verbindet einen veränderten Stamm, wie bei einem starken Verb, mit den gewöhnlichen schwachen -te-Endungen:
| Infinitiv | Präteritumstamm | Beispiel |
|---|---|---|
| bringen | brachte | Er brachte den Kaffee. |
| denken | dachte | Ich dachte an dich. |
| kennen | kannte | Sie kannte die Stadt gut. |
| wissen | wusste | Wir wussten die Antwort nicht. |
Diese bekommen trotzdem die volle schwache Endungsreihe: ich brachte, du brachtest, er brachte, wir brachten, ihr brachtet, sie brachten – nur der Stamm selbst ändert sich, genau wie bei einem starken Verb.
Wann man das Präteritum statt des Perfekts benutzt
Bei war, hatte und den Modalverben ist das Präteritum die alltägliche Wahl im Gespräch. Bei jedem anderen Verb ist es meist umgekehrt: Im Gespräch greift man zum Perfekt (ich habe gemacht, ich bin gegangen), und das Präteritum bleibt vor allem dem Schreiben vorbehalten – Romanen, Märchen, Nachrichtenartikeln, förmlichen Berichten und jeder zusammenhängenden Erzählung vergangener Ereignisse. Ich ging gestern ins Kino ist auch im Gespräch grammatisch völlig in Ordnung und kommt vor, aber Ich bin gestern ins Kino gegangen ist für dasselbe Verb die typischere gesprochene Wahl.
Im Englischen gibt es diese Aufteilung zwischen Schreiben und Sprechen gar nicht: Das einfache Präteritum (I went, I made) wird für jedes Verb gleichermaßen in Gesprächen wie in Texten benutzt, ohne Register-Unterschied. Im Deutschen dagegen entscheidet das Register: für die meisten Verben schreibt man im Präteritum, spricht aber im Perfekt.
Häufige Fehler
- ❌ Ich gehte nach Hause. → ✅ Ich ging nach Hause. (gehen ist ein starkes Verb – kein -te, nur ein veränderter Stamm)
- ❌ Ich arbeitte den ganzen Tag. → ✅ Ich arbeitete den ganzen Tag. (der Stamm endet auf -t, deshalb braucht es das zusätzliche -e- vor -te)
- ❌ Du ging nach Hause. → ✅ Du gingst nach Hause. (du braucht meist -st, auch bei einem starken Stamm ohne sonstige Endung – ein Stamm, der auf einen Zischlaut endet, bekommt aber -est, z. B. lesen → du lasest, essen → du aßest)
- ❌ Ich ginge nach Hause, um einfach "ich ging nach Hause" auszudrücken → ✅ Ich ging nach Hause. (ginge ist eine andere Form, der Konjunktiv – ein eigenes Thema; das einfache Präteritum ist nur ging)
Kurzer Check
Ergänze die richtige Präteritumform.
- (machen, ich) Ich ____ das Essen. (regelmäßig)
- (gehen, sie – Singular) Sie ____ ins Büro. (stark)
- (arbeiten, wir) Wir ____ den ganzen Abend. (regelmäßig, Stamm auf -t)
- (kommen, ihr) ____ ihr pünktlich?
- (sehen, du) ____ du den Film?
Antworten anzeigen
- machte (regelmäßig: Stamm + -te)
- ging (stark: veränderter Stamm, keine Endung)
- arbeiteten (zusätzliches -e- vor -ten, Stamm endet auf -t)
- Kamt (stark: kommen → kam, + -t für ihr)
- Sahst (stark: sehen → sah, + -st für du)
Schneller lernen mit GrammarMama
Dieser Artikel behandelt ein Thema – so hilft dir GrammarMama, daraus dauerhaften Fortschritt zu machen:
-
Finde dein Niveau — Ein kurzer Einstufungstest ermittelt dein GER-Niveau, damit jede Übung zu dir passt. Niveau bestimmen →
-
Folge einem klaren Pfad — Übe jedes Thema in der richtigen Reihenfolge, von A1 bis C2. Ganzen Pfad ansehen →
-
Setze dir dein eigenes Ziel — Sag uns, wofür du lernst – die Übungen richten sich nach deinen Interessen. Ziel festlegen →
-
Behalte deine Fehler im Blick — Erkenne Muster in dem, was dir schwerfällt, und beseitige sie dauerhaft. Fehler ansehen →
-
Baue deinen Wortschatz auf — Wörter aus deinen Übungen werden gespeichert und mit Spaced Repetition wiederholt. Wortschatz öffnen →
-
Übe das Sprechen — Beantworte Übungen laut, statt zu tippen, wann immer du möchtest. Sprechübung ausprobieren →
-
Trainiere deine Aussprache — Erhalte sofortiges Feedback zu deiner Aussprache, Wort für Wort. Aussprache trainieren →
-
Übe jeden Tag ein bisschen — Kurze tägliche Übungen, passend zu deinem Niveau, halten die Sprache frisch. Jetzt üben →
Das Wichtigste auf einen Blick
- Regelmäßige (schwache) Verben bilden das Präteritum mit Stamm + -te, -test, -te, -ten, -tet, -ten – denselben Endungen, die du schon von hatte und den Modalverben kennst.
- Starke Verben ändern stattdessen ihren Stammvokal, ohne -te: –, -st, –, -en, -t, -en (gehen → ging, gingst, ging, gingen, gingt, gingen).
- Der Präteritumstamm, das Perfekt-Partizip und der Infinitiv eines starken Verbs benutzen oft alle drei unterschiedliche Vokale – die Formen jedes Verbs lernt man zusammen als Vokabel.
- Gemischte Verben (bringen, denken, kennen, wissen) ändern ihren Stamm wie ein starkes Verb, bekommen aber trotzdem die schwachen -te-Endungen: brachte, dachte, kannte, wusste.
- Stämme auf -t/-d bekommen vor Endungen ein zusätzliches -e-, bei regelmäßigen wie bei starken Verben; ein starker Stamm, der auf einen Zischlaut endet, bekommt bei du -est statt einfachem -st (du lasest, du aßest).
- Anders als bei war/hatte/den Modalverben bevorzugen die meisten anderen Verben im Gespräch das Perfekt – das Präteritum ist vor allem für das Schreiben: Geschichten, Nachrichten und förmliche Erzählungen.