Wenn du jemandem erzählst, was eine andere Person gesagt hat, wiederholst du normalerweise nicht deren genaue Worte. Statt "I'm tired," she said würdest du auf Englisch eher she said (that) she was tired sagen. Das nennt man reported speech (indirekte Rede) – und die gute Nachricht ist: Dafür gibt es eine zentrale Regel, die du immer wieder anwenden kannst.

Kurzversion: Steht das Verb der Redewiedergabe (said, told) in der Vergangenheit, verschiebt sich das Verb in der wiedergegebenen Aussage meist eine Zeitstufe zurück: present simple → past simple (workworked, do/doesdid), willwould. Auch Pronomen und Zeitangaben passen sich der neuen Perspektive und dem neuen Zeitpunkt an.

Direkte Rede vs. indirekte Rede

Direkte Rede gibt die genauen Worte wieder, meist in Anführungszeichen:

  • Maria said, "I live in Madrid."
  • "We will call you tomorrow," they said.

Indirekte Rede gibt dieselbe Information wieder, aber ohne Anführungszeichen, eingebettet in den wiedergebenden Satz:

  • Maria said (that) she lived in Madrid.
  • They said (that) they would call us the next day.

Drei Dinge haben sich verändert: Die Anführungszeichen sind verschwunden, das Verb ist eine Zeitstufe in die Vergangenheit gerückt (livelived, will callwould call), und Pronomen sowie Zeitangabe wurden an die neue Perspektive angepasst (youus, tomorrowthe next day). Das Wort that ist nach said und nach told + Person optional – sowohl she said she was tired als auch she said that she was tired sind korrekt, ebenso she told me (that) she was tired.

Die Backshift-Regel

Steht das Verb der Redewiedergabe in der Vergangenheit (said, told), verschiebt sich das Verb der ursprünglichen Aussage in der Regel um eine Zeitstufe zurück. Das nennt man Backshift:

Direkte Rede Indirekte Rede
present simple: "I work here." past simple: She said she worked there.
present continuous: "I'm working." past continuous: She said she was working.
past simple: "I worked hard." past perfect (oder past simple, wenn die Zeit bereits klar ist): She said she had worked hard.
present perfect: "I've finished." past perfect: She said she had finished.
past perfect: "I'd finished." past perfect (keine weitere Verschiebung): She said she had finished.
will: "I'll help." would: She said she would help.
can: "I can swim." could: She said she could swim.
may: "It may rain." might: She said it might rain.
must (Verpflichtung): "I must go." had to: She said she had to go.

Ist die wiedergegebene Information immer noch wahr oder relevant, ist der Backshift oft optional: Wenn du "I live in Madrid," she said kurz danach jemand anderem berichtest, kannst du sowohl She said she lived in Madrid als auch She said she lives in Madrid sagen – beides klingt natürlich.

Ein paar Modalverben ändern sich nicht: would, could, might und should beziehen sich bereits auf etwas Hypothetisches oder Distanziertes, daher bleiben sie in der indirekten Rede gleich: "I would help if I could," she said → She said she would help if she could. Auch must bleibt must, wenn es eine logische Schlussfolgerung statt einer Verpflichtung ausdrückt: "He must be tired," she said → She said he must be tired.

Im Deutschen wird die indirekte Rede meist mit dem Konjunktiv I gebildet (er sagte, er sei müde), nicht durch eine Zeitverschiebung wie im Englischen. Im Englischen verwendest du dagegen keinen eigenen Modus wie den Konjunktiv I; die Verbform wird einfach zeitlich angepasst (was, had finished, would help).

Auch Pronomen und Possessivbegleiter verschieben sich

Weil der wiedergebende Satz aus einer anderen Perspektive erzählt wird, ändern sich Pronomen und Possessivbegleiter meist so, dass klar ist, wer spricht und von wem die Rede ist:

  • "I love my job," he said. → He said he loved his job.
  • "We'll bring our tickets," they said. → They said they'd bring their tickets.

Dafür gibt es keine feste Formel – es hängt immer davon ab, wer wem etwas berichtet, weshalb es sich lohnt, jeden Satz genau zu lesen statt eine Formel auswendig zu lernen.

Auch Zeit- und Ortsangaben verschieben sich

Wörter, die auf "jetzt" oder "hier" verweisen, müssen sich oft ändern, weil die indirekte Rede meist zu einem anderen Zeitpunkt oder Ort geäußert wird als das Original:

Direkte Rede Indirekte Rede
today that day
tomorrow the next day / the following day
yesterday the day before / the previous day
now then / at that time
this week that week
ago before
here there

"I'll finish it tomorrow," she said → She said she'd finish it the next day. Diese Änderungen sind nicht in jedem Fall automatisch – wird etwas noch am selben Tag wiedergegeben, an dem es gesagt wurde, kann today auch today bleiben. Die richtige Wahl hängt davon ab, wann und wo tatsächlich gesprochen wird.

Wann kein Backshift nötig ist

Backshift richtet sich nach der Zeitform des wiedergebenden Verbs – es ist keine Regel, die man blind auf jeden Satz anwendet:

  • Das wiedergebende Verb steht im Präsens oder Futur, nicht in der Vergangenheit: "I'm tired," she saysShe says she is tired. (kein Backshift – says steht schon im Präsens)
  • Die Aussage ist eine allgemeine Tatsache oder eine zeitlose Wahrheit: "The sun rises in the east," he said → He said the sun rises in the east. (allgemeine Wahrheiten bleiben meist im Präsens, weil ein Backshift klingen könnte, als sei die Tatsache nicht mehr wahr)
  • Die Aussage ist immer noch wahr oder gerade jetzt relevant – hier ist der Backshift optional; je nach Situation können also beide Varianten richtig sein, wie das Madrid-Beispiel oben zeigt.

Say vs. tell

Sowohl say als auch tell geben Aussagen wieder, werden aber unterschiedlich verwendet:

  • Auf say folgt nicht direkt die angesprochene Person: ✅ She said she was busy, nicht ❌ she said me she was busy.
  • Gibt tell wieder, was jemand gesagt hat, braucht es die angesprochene Person direkt danach: ✅ She told me she was busy, nicht ❌ she told she was busy (die Person fehlt).

Möchtest du die angesprochene Person nach say nennen, füge to hinzu: She said to me that she was busy.

Typische Fehler

  • She said she is tired (ohne Backshift, als feste Regel) → ✅ She said she was tired ist die übliche Wahl, mit Backshift des present simple nach einem vergangenen wiedergebenden Verb – auch wenn she said she is tired durchaus passt, wenn sie gerade jetzt noch müde ist.
  • He told that he was leaving. → ✅ He said that he was leaving. / He told me he was leaving. (tell braucht hier die angesprochene Person direkt danach; say nicht)
  • She said me she would come. → ✅ She told me she would come. / She said to me she would come.
  • Bei einer späteren Wiedergabe, wenn tomorrow schon vorbei ist: ✅ They said they would call the next day. (Backshift willwould, und die Zeitangabe wird angepasst) – ist tomorrow aber immer noch morgen, geht auch ✅ They said they will call tomorrow.
  • He said he has finished. → ✅ He said he had finished. (present perfect verschiebt sich zu past perfect)

Kurzer Test

Versuche, jeden Satz in direkter Rede in indirekte Rede umzuwandeln.

  1. "I live in Berlin," she said.
  2. "We'll arrive tomorrow," they said.
  3. "I can speak French," he said.
  4. "I've lost my keys," she told me.
Antworten anzeigen
  1. She said (that) she lived in Berlin.
  2. They said (that) they would arrive the next day.
  3. He said (that) he could speak French.
  4. She told me (that) she had lost her keys.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Indirekte Rede gibt wieder, was jemand gesagt hat, ohne die genauen Worte zu zitieren; that ist nach said und told + Person optional.
  • Steht das wiedergebende Verb in der Vergangenheit, verschiebt sich das ursprüngliche Verb meist um eine Zeitstufe: am/is/arewas/were, present simple → past simple, present perfect → past perfect, willwould, cancould, maymight, must (Verpflichtung) → had to.
  • Would, could, might und should ändern sich nicht. Auch must bleibt must, wenn es eine Schlussfolgerung statt einer Verpflichtung ausdrückt.
  • Pronomen, Possessivbegleiter und Zeit-/Ortsangaben (todaythat day, herethere) passen sich an den neuen Sprecher, Zuhörer, Zeitpunkt und Ort an.
  • Kein Backshift nötig, wenn das wiedergebende Verb im Präsens/Futur steht, wenn die Aussage eine allgemeine Tatsache ist, oder (optional) wenn sie gerade jetzt noch wahr ist.
  • Auf say folgt die angesprochene Person nicht direkt (said to me, nicht said me); gibt tell wieder, was jemand gesagt hat, braucht es die Person direkt danach (told me, nicht nur told).