Eine Partizipialkonstruktion verbindet zwei zusammengehörige Ideen ohne ein Bindewort wie because oder while und ohne Relativpronomen wie who oder which – du lässt das wiederholte Subjekt und das Hilfsverb weg und verwendest stattdessen eine Partizipform (-ing oder -ed). Das ist eine kürzere, flüssigere Ausdrucksweise, die auch in formellerem Englisch und in knapper gesprochener Sprache vorkommt.
Kurz gesagt: Eine -ing-Konstruktion hat in der Regel eine aktive Bedeutung (das Subjekt führt die Handlung aus), eine -ed-Konstruktion eine passive Bedeutung oder beschreibt ein Ergebnis (etwas wird getan oder ist geschehen). Es gibt auch fortgeschrittenere passive -ing-Formen (being watched), aber die einfache Version oben deckt die meisten Alltagsfälle ab.
-ing-Konstruktionen (Partizip Präsens)
Eine -ing-Konstruktion zeigt, dass das Subjekt aktiv etwas tut. Sie kann mehrere Arten von vollständigen Sätzen ersetzen, je nach Bedeutung:
Zwei gleichzeitige Handlungen, oder eine direkt nach der anderen (dasselbe Subjekt in beiden Teilen):
- Smiling, she opened the door. = She smiled and opened the door.
- Grabbing his coat, he ran out into the rain. = He grabbed his coat and ran out into the rain.
Ein Grund (wie because / since):
- Not knowing anyone at the party, I left early. = Because I didn't know anyone at the party, I left early.
- Being new to the city, she asked her colleague for directions. = Since she was new to the city, ...
Ein Substantiv näher beschreiben, als Ersatz für einen aktiven Relativsatz mit who / which + passendem Verb (die vollständige Version mit Pronomen findest du in Bestimmende Relativsätze). Das funktioniert sowohl dann, wenn das Substantiv Subjekt ist, als auch dann, wenn es Objekt des Satzes ist:
- The man standing by the door is my uncle. = The man who is standing by the door...
- I spoke to the woman sitting near the window. = I spoke to the woman who was sitting near the window.
- Anyone arriving after 9pm will need a key. = Anyone who arrives after 9pm...
Im Deutschen steht die Partizipialgruppe meist vor dem Substantiv: „die am Fenster sitzende Frau“. Im Englischen steht sie dagegen normalerweise nach dem Substantiv: the woman sitting by the window. Wer die deutsche Reihenfolge überträgt, landet leicht bei der falschen Wortstellung: ❌ the sitting by the window woman.
Das Partizip selbst zeigt keine Zeitform – der zeitliche Bezug ergibt sich aus dem Kontext, wie is/was/arrives in den vollständigen Versionen oben. Dieses Muster passt am besten zu andauernden, gewohnheitsmäßigen oder geplanten Handlungen, nicht zu einem einzelnen abgeschlossenen Ereignis in der Vergangenheit (the man who arrived yesterday klingt deutlich natürlicher als the man arriving yesterday).
-ed-Konstruktionen (Partizip Perfekt)
Eine -ed-Konstruktion (oder ein unregelmäßiges Partizip Perfekt: written, given, broken, taken...) hat meist eine passive Bedeutung oder beschreibt den Zustand bzw. das Ergebnis, das eine Handlung hinterlassen hat – das Subjekt führt die Handlung nicht selbst aus:
- Written in a hurry, the report contained several errors. = Because it was written in a hurry, the report contained several errors.
- Confused by the instructions, she asked for help. = Because she was confused by the instructions, she asked for help.
Genau wie -ing-Konstruktionen können auch -ed-Konstruktionen ein Substantiv (Subjekt oder Objekt) näher beschreiben und einen passiven Relativsatz ersetzen:
- The bridge built in 1990 is still standing. = The bridge that/which was built in 1990...
- We reviewed the documents sent yesterday. = We reviewed the documents that/which were sent yesterday.
Die goldene Regel für Partizipialkonstruktionen am Satzanfang oder Satzende
Diese Regel gilt speziell für das Grund-/Zeit-/Reihenfolge-Muster oben, bei dem die Partizipialkonstruktion am Anfang oder Ende des Satzes steht, statt direkt nach einem Substantiv. Dort muss das mitgedachte Subjekt des Partizips mit dem Subjekt des folgenden Hauptsatzes übereinstimmen. Ist das nicht der Fall, entsteht eine hängende Partizipialkonstruktion – ein häufiger und oft unfreiwillig komischer Fehler:
- ❌ Walking to the station, the rain started. (der Regen ist nicht gelaufen!)
- ✅ Walking to the station, I got caught in the rain. / ✅ While I was walking to the station, the rain started.
(Anders ist es bei dem Muster, bei dem ein Substantiv näher beschrieben wird: Dort beschreibt das Partizip einfach das Substantiv, dem es folgt – egal ob dieses Subjekt oder Objekt ist. Deshalb gilt diese Regel dort nicht.)
Es gibt außerdem eine fortgeschrittenere Partizipform, having + Partizip Perfekt (Having finished the report, she went home), um zu zeigen, dass eine Handlung eindeutig vor einer anderen abgeschlossen war – das wird separat auf einem fortgeschritteneren Niveau behandelt.
Häufige Fehler
- ❌ Walking to the station, the rain started. → ✅ While I was walking to the station, the rain started. (eine hängende Partizipialkonstruktion – der Regen kann nicht laufen)
- ❌ Frightening by the noise, the dog ran away. → ✅ Frightened by the noise, the dog ran away. (der Hund wird durch das Geräusch erschreckt, die Bedeutung ist also passiv – die -ed-Form, nicht -ing)
- ❌ Interesting in the topic, she asked more questions. → ✅ Interested in the topic, she asked more questions. (sie ist interessiert, nicht selbst „interessierend“ – also passiv/-ed, nicht aktiv/-ing)
- ❌ Break the window he cut his hand. (Partizipform und Komma fehlen) → ✅ While breaking the window, he cut his hand.
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Vervollständige jeden Satz mit der richtigen Partizipform des Verbs in Klammern.
- ____ (not / know) the way, we asked a police officer for directions.
- The parcel, ____ (damage) during delivery, was sent back to the shop.
- ____ (feel) exhausted, she decided to go to bed early.
- Anyone ____ (interest) in the job should apply by Friday.
- ____ (surprise) by the news, he sat down in silence.
Antworten anzeigen
- Not knowing 2. damaged 3. Feeling 4. interested 5. Surprised
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Das Wichtigste
- -ing-Konstruktionen haben meist eine aktive Bedeutung (das Subjekt führt die Handlung aus) – verwendet für gleichzeitige Handlungen, schnelle Abfolgen, Gründe und die Beschreibung eines Substantivs anstelle eines aktiven Relativsatzes.
- -ed-Konstruktionen (oder ein unregelmäßiges Partizip Perfekt) haben meist eine passive Bedeutung oder beschreiben ein Ergebnis – verwendet für Gründe und die Beschreibung eines Substantivs anstelle eines passiven Relativsatzes.
- Beide Typen können einen Relativsatz mit who/which/that ersetzen, funktionieren aber am besten bei andauernden, gewohnheitsmäßigen oder geplanten Handlungen – nicht bei einem einzelnen abgeschlossenen Ereignis in der Vergangenheit.
- In einer Konstruktion am Anfang oder Ende des Satzes muss das mitgedachte Subjekt des Partizips mit dem Subjekt des Hauptsatzes übereinstimmen, sonst entsteht eine hängende Partizipialkonstruktion. Diese Regel gilt nicht für ein Partizip, das direkt ein Substantiv beschreibt; dieses Substantiv kann Subjekt oder Objekt des Satzes sein.
- Gefühlsverben wie interest, frighten, bore, confuse brauchen besondere Aufmerksamkeit: Wer das Gefühl empfindet, bekommt die -ed-Form (interested), während das, was das Gefühl auslöst, die -ing-Form bekommt (interesting).