Der Bericht stellt die bisherige Strategie in Frage.

Im formellen Deutsch steht eine feste Verbindung aus Nomen + Verb wie in Frage stellen oft für ein einzelnes Verb (bezweifeln): Das Nomen trägt die inhaltliche Bedeutung, das Verb (stellen) ist entleert und steuert nur noch Grammatik sowie — in diesen Fügungen — Nuancen von Phase und Handelndem.

Kurz gesagt: Das Nomen trägt die Bedeutung; das Funktionsverb (stellen, bringen, kommen, nehmen, stehen, üben, treffen …) ist entleert, markiert aber weiterhin die Grammatik und in den Phasen-Reihen, ob es einen Handelnden gibt. Viele treten in Reihen auf — in Bewegung setzen (Beginn), in Bewegung sein (Zustand), in Bewegung geraten (Vorgang) —, wobei setzen / bringen / stellen einen Handelnden brauchen und kommen / geraten nicht.

Auch das Englische bildet solche Fügungen, aber mit einer kleinen Gruppe von Verben — make a decision, take a look, give a speech, have a rest. Das Deutsche verteilt die Aufgabe auf viele verschiedene Verben (treffen, üben, stellen, ziehen, geraten), die jeweils fest an ihr Nomen gebunden sind, und verbindet viele dieser Fügungen mit einer festen Präposition und einem festen Kasus (Kritik an + Dativ, Rücksicht auf + Akkusativ). Zudem unterscheidet es setzen / bringen (mit Handelndem) von geraten / kommen (ohne).

Was ein Funktionsverbgefüge ist

Ein Funktionsverbgefüge (FVG) ist eine feste Verbindung aus:

  • einem Nomen — oft, aber nicht immer eine Nominalisierung (die Entscheidung, die Anwendung, der Ausdruck — derselbe Nominalstil), aber auch viele nicht abgeleitete Nomen (die Frage, die Kraft, die Rolle), und
  • einem Funktionsverb — einem Verb, dessen eigene lexikalische Bedeutung entleert ist, das aber weiterhin die Valenz der Fügung festlegt und Phase oder Kausativität markieren kann: bringen, kommen, stellen, stehen, setzen, nehmen, ziehen, üben, treffen, finden, geraten.

Bei eine Entscheidung treffen wird nichts getroffen; stellen in in Frage stellen hat nichts mit Hinstellen zu tun. Die gewöhnliche Bedeutung des Verbs ist weg; das Nomen trägt den Inhalt.

Die Fügung ist fest — das Verb lässt sich nicht durch ein Synonym ersetzen:

  • eine Entscheidung machen → ✅ eine Entscheidung treffen
  • Kritik machen → ✅ Kritik üben

Häufige Funktionsverbgefüge

Funktionsverbgefüge Einfaches Verb
eine Entscheidung treffen entscheiden
in Frage stellen bezweifeln
Kritik üben (an + Dativ) kritisieren
zum Ausdruck bringen ausdrücken
in Betracht ziehen erwägen
zur Verfügung stehen verfügbar sein
eine Rolle spielen eine Funktion haben / relevant sein
Anwendung finden angewendet werden
in Kraft treten gültig werden
Rücksicht nehmen (auf + Akkusativ) berücksichtigen

Die Phasen-Reihen: Beginn, Zustand, Vorgang

Manche Nomen verbinden sich mit mehreren Verben, und das Verb zeigt an, ob der Zustand bewirkt wird, besteht oder von selbst eintritt:

kausativ (jemand bewirkt es) Zustand Vorgang (kein Handelnder)
Bewegung in Bewegung setzen in Bewegung sein in Bewegung geraten
Gefahr in Gefahr bringen in Gefahr sein in Gefahr geraten
Anwendung zur Anwendung bringen zur Anwendung kommen
  • Der Fahrer setzte den Wagen in Bewegung. — jemand bewirkt es
  • Der Wagen geriet in Bewegung. — es geschah, kein Handelnder genannt

bringen, setzen, stellen bedeuten, dass ein Handelnder es bewirkt; kommen, geraten, gelangen bedeuten, dass es von selbst eintritt, nah an einem Passiv. Deshalb liest sich zur Anwendung kommen als glattere Alternative zu angewendet werden — siehe Passiv-Alternativen.

Artikel, Präposition und Adjektiv

Viele FVG lassen den Artikel weg oder verschmelzen ihn mit der Präposition: in Frage stellen, zur Verfügung stehen, zum Ausdruck bringen, in Kraft treten. Jede Fügung legt außerdem ihre Präposition und ihren Kasus fest — Kritik an + Dativ, Rücksicht auf + Akkusativ —, die man nicht variieren kann.

Ein Adjektiv bringt meist die volle Nominalphrase zurück:

  • Kritik übenscharfe Kritik üben
  • eine Entscheidung treffeneine schwierige Entscheidung treffen
  • zum Ausdruck bringendeutlich zum Ausdruck bringen (Adverb, keine Artikeländerung)

Wortstellung

Die Nominalphrase steht im Mittelfeld; das Funktionsverb nimmt die normale Verbposition ein, und im Perfekt tritt das Partizip in die Satzklammer:

  • Sie stellt die Zahlen in Frage.
  • Sie hat die Zahlen in Frage gestellt.
  • …, weil sie die Zahlen in Frage stellt.

Wann man sie verwendet

Viele FVG sind neutrales, idiomatisches Deutsch, das in der gesprochenen wie in der geschriebenen Sprache gleichermaßen vorkommt — eine Entscheidung treffen, eine Rolle spielen, in Kraft treten, Rücksicht nehmen. Andere sind Kennzeichen eines schwerfälligen Nominalstils und haben ein einfaches Verb, das fast immer besser ist: zur Durchführung bringendurchführen, in Abzug bringenabziehen, zur Anzeige bringenanzeigen.

Wähle ein FVG, wenn es die idiomatische Fügung ist oder eine Nuance hinzufügt, die dem einfachen Verb fehlt (Phase, Kausativität, ein Vorgang ohne Handelnden); häufe die bürokratischen nicht — dieselbe Vorsicht wie beim Nominalstil.

Häufige Fehler

  • eine Entscheidung machen → ✅ eine Entscheidung treffen
  • Kritik gegen die Regierung üben → ✅ Kritik an der Regierung üben (feste Präposition + Dativ)
  • Das Gesetz ist in Kraft getreten worden. → ✅ Das Gesetz ist in Kraft getreten. (treten bildet hier das Perfekt mit sein; kein Passiv)
  • Ein Dolmetscher stellt zur Verfügung. → ✅ Ein Dolmetscher steht zur Verfügung. (stellen = jemandem etwas verfügbar machen: jdm etwas zur Verfügung stellen)
  • in die Frage stellen → ✅ in Frage stellen (kein Artikel; infrage stellen als ein Wort ist ebenfalls standardsprachlich)

Kurzer Check

Ersetze das einfache Verb durch ein Funktionsverbgefüge.

  1. Der Ausschuss erwägt einen neuen Vorschlag.
  2. Die Opposition kritisiert den Haushalt.
  3. Das Abkommen wird morgen gültig.
  4. Wir bezweifeln seine Darstellung.
  5. Ein Dolmetscher ist verfügbar.
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  1. Der Ausschuss zieht einen neuen Vorschlag in Betracht.
  2. Die Opposition übt Kritik am Haushalt.
  3. Das Abkommen tritt morgen in Kraft.
  4. Wir stellen seine Darstellung in Frage.
  5. Ein Dolmetscher steht zur Verfügung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Funktionsverbgefüge ist eine feste Verbindung aus Nomen + Funktionsverb (eine Entscheidung treffen, in Frage stellen); das Nomen trägt die Bedeutung, das Verb ist entleert.
  • Das Verb ist nicht freitreffen, üben, ziehen, stellen sind fest an ihr Nomen gebunden; ein Synonym ist falsch.
  • Kausativ vs. Vorgang: bringen / setzen / stellen brauchen einen Handelnden; kommen / geraten / treten beschreiben, dass etwas von selbst eintritt, oft anstelle eines werden-Passivs.
  • Achte auf die feste Präposition und den Kasus (Kritik an + Dativ, Rücksicht auf + Akkusativ) und den fehlenden Artikel (in Frage, zur Verfügung).
  • Manche sind neutrale Idiome, die überall vorkommen (eine Entscheidung treffen, eine Rolle spielen); andere sind bürokratischer Nominalstil mit einem besseren einfachen Verb (zur Durchführung bringendurchführen).