Wenn du Hinweise bewertest und daraus einen Schluss ziehst, kommst du zu einer Schlussfolgerung. In dieser Lektion schauen wir uns drei Modalverben an, die dafür besonders nützlich sind: must, can't und might.
- She hasn't slept in two days. She must be exhausted. (fast sicher wahr)
- He says he passed the test without studying. He can't be telling the truth. (fast sicher nicht wahr)
- The lights are off — she might be asleep already. (möglich, aber ungewiss)
Das sind keine Vermutungen ins Blaue hinein, sondern logische Schlüsse aus dem, was du wahrnimmst.
Die Grundform: Subjekt + must / can't / might + Infinitiv ohne to → It must be cold. She can't know. He might be home.
Die drei Modalverben auf einen Blick
| Modalverb | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| must | sehr wahrscheinlich wahr | She must know — she's been working here for years. |
| can't | sehr wahrscheinlich nicht wahr | That can't be right — I checked the figures myself. |
| might | möglich, aber ungewiss | They might be stuck in traffic. |
Wie alle Modalverben verlangen auch diese den reinen Infinitiv — ohne to, ohne -s, ohne -ing direkt nach dem Modalverb.
Must: eine positive Schlussfolgerung ziehen
Must verwendest du, wenn die Hinweise so deutlich in eine Richtung zeigen, dass du fast sicher bist, dass etwas stimmt.
- You've been on your feet all day. You must be tired.
- She speaks six languages. She must enjoy learning languages.
- He looks just like Tom. They must be related.
Es ist leicht, must in Schlussfolgerungen mit dem verpflichtenden must zu verwechseln ("You must hand in your assignment on time"). Der Kontext macht den Unterschied: Must in Schlussfolgerungen basiert auf Hinweisen und Beobachtungen — es geht nicht um Regeln oder Verpflichtungen. Für Verpflichtungen siehe Have to / must (obligation).
Can't: eine negative Schlussfolgerung ziehen
Can't verwendest du, wenn die Hinweise etwas nahezu unmöglich machen — es ist das negative Gegenstück zu must.
- The museum closes at 5, and it's already 6. It can't be open.
- This can't be the right address — there's nothing here.
- He can't know the answer — it was announced after he left.
Im Deutschen kann „muss nicht" leicht wie eine negative Schlussfolgerung klingen. Im Englischen funktioniert das nicht: mustn't bedeutet normalerweise „darf nicht" (Verbot). Für eine negative Schlussfolgerung nimmst du can't: ✅ It can't be true., nicht ❌ It mustn't be true.
Might: eine offene Möglichkeit
Might (oder could) verwendest du, wenn du wirklich unsicher bist — die Hinweise reichen nicht für einen klaren Schluss.
- She's not answering. She might be in a meeting.
- It might mean something different in that context — I'm not sure.
- He might know the answer — it's worth asking.
Might ist schwächer als must. Würdest du She must be in a meeting sagen, klingst du deutlich überzeugter. Mit might lässt du die Frage offen.
Mehr zum Ausdruck von Möglichkeit (im Unterschied zur Schlussfolgerung) findest du in Modals of possibility (may, might, could).
Schlussfolgerungen über Handlungen, die gerade stattfinden
Wenn du schlussfolgern möchtest, ob eine Handlung gerade jetzt stattfindet, verwendest du must / can't / might + be + Verb-ing:
- The music is so loud — they must be having a party.
- He's only wearing a T-shirt. He can't be feeling very warm.
- She's not at her desk. She might be having lunch.
| Schlussfolgerung | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| findet wahrscheinlich gerade statt | must be + -ing | They must be waiting for us. |
| findet wahrscheinlich gerade nicht statt | can't be + -ing | She can't be sleeping — the lights are on. |
| findet möglicherweise gerade statt | might be + -ing | He might be working late — no one can reach him. |
Gewissheitsskala: Schlussfolgerung vs. Möglichkeit
| Gewissheit | Modalverb | Beispiel |
|---|---|---|
| fast sicher (positiv) | must | She must know — she's the expert. |
| offen | might / could | She might know — it's worth asking. |
| fast sicher (negativ) | can't | She can't know — she just arrived. |
Must und can't zeigen beide hohe Sicherheit — must für eine positive, can't für eine negative Schlussfolgerung. Might liegt dazwischen, wenn die Hinweise keine klare Antwort geben.
Häufige Fehler
- ❌ It mustn't be true — the numbers don't add up. → ✅ It can't be true. (mustn't = verboten; für negative Schlussfolgerungen: can't)
- ❌ She must knows the answer. → ✅ She must know the answer. (Infinitiv nach Modalverb — kein -s)
- ❌ He must be know the answer. → ✅ He must know the answer. (kein zusätzliches be vor einem Vollverb im Infinitiv)
- ❌ They must work in there right now. → ✅ They must be working in there right now. (laufende Handlung: must be + -ing)
- ❌ She can't to be serious. → ✅ She can't be serious. (kein to nach einem Modalverb)
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Welches Modalverb passt in jede Schlussfolgerung?
- The exam was three hours long, she finished in forty minutes, and she got every question right. She ____ be very good at maths. (must / can't / might)
- I can hear voices inside. Someone ____ be home. (must / can't)
- His cash is always in his wallet, and his wallet is at home. He ____ be carrying any cash. (must / can't)
- She's wearing headphones, but the screen is turned away from us. She ____ be listening to music. (must / might)
Antworten anzeigen
- She must be very good at maths. (Geschwindigkeit und Richtigkeit als klare Hinweise)
- Someone must be home. (Stimmen sind ein deutlicher, direkter Hinweis)
- He can't be carrying any cash. (Das Geld ist im Portemonnaie, das Portemonnaie ist nicht dabei)
- She might be listening to music. (sie könnte Musik hören, aber wir können den Bildschirm nicht sehen)
Das Wichtigste
- Must = fast sicher wahr — die Hinweise stützen den Schluss deutlich.
- Can't = fast sicher nicht wahr — es würde dem widersprechen, was du weißt.
- Might (oder could) = möglich, aber ungewiss — die Hinweise entscheiden nicht.
- Alle drei verlangen den reinen Infinitiv: kein to, kein -s, kein -ing direkt nach dem Modalverb.
- Für Schlussfolgerungen über eine laufende Handlung: be + -ing hinzufügen → must be working, can't be sleeping, might be waiting.
- Can't ist die Form für negative Schlussfolgerungen — nicht mustn't (das bedeutet „verboten").
- Schlussfolgerungen über die Vergangenheit folgen einem anderen Muster: must have / can't have + Partizip Perfekt — das Thema Modals of deduction: past.