Du kennst bereits den Nominativ für das Subjekt und den Akkusativ für das direkte Objekt. Das Deutsche hat einen dritten Fall für eine andere Aufgabe: den Dativ, meistens verwendet für das indirekte Objekt – die Person, der etwas gegeben, gesagt, gezeigt oder geschickt wird, wie in „dem Mann ein Buch geben" oder „ihr eine Geschichte erzählen".
Kurz gesagt: der/das → dem, die → der, Plural die → den (mit -n am Pluralnomen selbst). Im Dativ ändert sich jedes Geschlecht – anders als im Akkusativ, wo nur das männliche betroffen war.
Was das indirekte Objekt ist
Viele Sätze haben zwei Objekte: etwas, das direkt betroffen ist, und jemanden, dem etwas geschieht. Vergleiche:
- Ich lese das Buch. – nur ein direktes Objekt, Akkusativ.
- Ich gebe dem Mann das Buch. – jetzt gibt es zwei Objekte: das Buch ist weiterhin das direkte Objekt (was gegeben wird), und dem Mann ist das indirekte Objekt (wem es gegeben wird).
Im Englischen wird das meist über die Wortstellung und das Wort „to" ausgedrückt – „I give the book to the man" oder „I give the man the book" – ohne dass sich am Substantiv oder Artikel selbst etwas ändert. Das lässt sich nicht einfach aufs Deutsche übertragen: Hier übernimmt der Artikel diese Markierung, die Wortstellung allein reicht nicht.
Jedes Geschlecht ändert sich im Dativ
Das ist der entscheidende Unterschied zum Akkusativ: Im Dativ ändern sich alle vier Artikelformen, nicht nur die männliche.
| Geschlecht | Nominativ (Subjekt) | Dativ (indirektes Objekt) |
|---|---|---|
| Maskulinum | der / ein | dem / einem |
| Femininum | die / eine | der / einer |
| Neutrum | das / ein | dem / einem |
| Plural | die | den (+ -n am Nomen) |
- Der Mann liest. (Subjekt) → Ich gebe dem Mann das Buch. – Maskulinum ändert sich
- Die Frau lacht. → Ich gebe der Frau das Buch. – Femininum ändert sich
- Das Kind spielt. → Ich gebe dem Kind das Buch. – Neutrum ändert sich
- Die Kinder spielen. → Ich gebe den Kindern das Buch. – Plural ändert sich, und das Nomen selbst bekommt ein zusätzliches -n
Diesen letzten Punkt übersieht man leicht: Im Dativ Plural bekommt das Nomen meist auch ein -n – die Kinder → den Kindern, die Freunde → den Freunden – außer es endet schon auf -n oder -s: die Autos → den Autos (keine Änderung).
Das indirekte Objekt erkennen
Eine nützliche Frage ist „wem?" – die Antwort darauf ist meist das indirekte Objekt:
- Ich schreibe meiner Schwester einen Brief. – ich schreibe wem? meiner Schwester.
- Er zeigt den Touristen die Stadt. – er zeigt wem? den Touristen.
Verben wie geben, zeigen, schreiben, sagen, schicken und erzählen nehmen häufig sowohl ein Dativ- als auch ein Akkusativobjekt. Eine kleinere Gruppe von Verben – darunter helfen und danken – verlangt nur ein Dativobjekt, ganz ohne Akkusativ: Ich helfe dem Mann, nicht ❌ Ich helfe den Mann. Solche Verben lernst du am besten einzeln, denn im Englischen sieht „help someone" wie ein direktes Objekt aus, obwohl das deutsche Äquivalent den Dativ verlangt. (Eine längere Liste reiner Dativverben und der Präpositionen, die den Dativ auslösen, sind eigene Themen, die du später kennenlernst.)
Wortstellung: Dativ vor Akkusativ
Wenn ein Satz beide Objekte als volle Nomen enthält, steht meist das Dativobjekt vor dem Akkusativobjekt:
- Ich gebe dem Mann das Buch. – Dativ, dann Akkusativ.
- Wir zeigen den Gästen das Zimmer. – Dativ, dann Akkusativ.
Wird das Akkusativobjekt durch ein Pronomen ersetzt (es, ihn, sie), rückt es meist vor das Dativnomen:
- Ich gebe es dem Mann. – die neutrale, alltägliche Reihenfolge.
(Ich gebe dem Mann es ist ebenfalls möglich, vor allem um das Dativnomen zu betonen oder zu kontrastieren, aber das ist die markierte Variante, nicht der Standardfall.)
Die vollständigen Regeln zur Pronomenreihenfolge (was passiert, wenn beide Objekte Pronomen sind) lernst du später ausführlicher – halte dir für jetzt die Grundregel fest: Dativnomen vor Akkusativnomen, aber ein Pronomenobjekt steht meist vor einem Nomenobjekt.
Häufige Fehler
- ❌ Ich gebe den Mann das Buch. → ✅ Ich gebe dem Mann das Buch. (das indirekte Objekt braucht den Dativartikel, nicht den Akkusativartikel)
- ❌ Ich helfe den Mann. → ✅ Ich helfe dem Mann. (helfen verlangt immer den Dativ, auch wenn „help someone" im Englischen wie ein direktes Objekt aussieht)
- ❌ Ich gebe den Kinder das Buch. → ✅ Ich gebe den Kindern das Buch. (das -n am Pluralnomen nicht vergessen)
Kurzer Check
Welche Form ist richtig?
- Ich gebe ____ Frau die Blumen. (die / der)
- Wir zeigen ____ Kind das Foto. (das / dem)
- Er schreibt ____ Freunden einen Brief. (die / den)
- Ich danke ____ Lehrer. (den / dem) – danken verlangt nur den Dativ
Antworten anzeigen
- der Frau 2. dem Kind 3. den Freunden 4. dem Lehrer
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Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Dativ markiert meistens das indirekte Objekt – die Person, der etwas gegeben, gesagt, gezeigt oder geschickt wird.
- Anders als im Akkusativ ändern sich im Dativ alle vier Geschlechter: der/das → dem, die → der, Plural die → den.
- Das Pluralnomen selbst bekommt im Dativ meist ebenfalls ein -n (die Kinder → den Kindern), außer es endet schon auf -n oder -s.
- Die Frage „wem?" findet meist das indirekte Objekt. Ein paar Verben wie helfen und danken verlangen nur ein Dativobjekt, ganz ohne Akkusativ.
- Stehen beide Objekte als volle Nomen im Satz, gilt die Reihenfolge Dativ vor Akkusativ – ein Pronomenobjekt (es, ihn, sie) rückt aber meist vor ein Dativnomen.