Den Plural eines deutschen Substantivs zu bilden ist nicht so einfach wie im Englischen, wo meist einfach ein -s angehängt wird. Das Deutsche hat mehrere verschiedene Pluralendungen, und welche Endung zu einem Substantiv gehört, lässt sich nicht immer allein aus der Singularform ableiten. Die gute Nachricht: Wie du im Artikel über bestimmte Artikel im Nominativ gesehen hast, steht im Nominativ bei jedem Pluralsubstantiv derselbe Artikel, die, egal welches Genus es im Singular hatte – zumindest beim Artikel musst du also nicht überlegen.

Kurz gesagt: Gängige Pluralendungen sind -e, -er, -(e)n, -s und gar keine Endung – manchmal zusätzlich mit einem Umlaut im Stammvokal (a→ä, o→ö, u→ü, au→äu) – und bei femininen Substantiven ist -(e)n die Endung, die sich am zuverlässigsten vorhersagen lässt.

Die wichtigsten Pluralmuster

Endung Beispiel (Singular → Plural) Anmerkung
-e der Hund → die Hunde Häufig bei vielen maskulinen Substantiven; manchmal zusätzlich mit Umlaut
-e + Umlaut der Stuhl → die Stühle Gleiche Endung, aber der Stammvokal ändert sich
-er + Umlaut (wenn der Stamm a, o, u oder au enthält) das Buch → die Bücher, das Haus → die Häuser Häufig bei vielen sächlichen Substantiven; ohne Umlaut, wenn der Stamm keinen umlautfähigen Vokal hat, z. B. das Kind → die Kinder
-(e)n die Frau → die Frauen Die am zuverlässigsten vorhersagbare Endung – bei den meisten femininen Substantiven
-s das Auto → die Autos, das Foto → die Fotos, die Oma → die Omas Häufig bei Lehnwörtern, Abkürzungen, Namen und Substantiven, die auf einen vollen Vokal enden
keine Endung (manchmal + Umlaut) der Lehrer → die Lehrer, der Vater → die Väter Typisch bei maskulinen und neutralen Substantiven auf -er, -el oder -chen/-lein

Beachte, dass manche Pluralformen genauso aussehen wie der Singular, z. B. der Lehrer → die Lehrer – nur der Artikel und der Satzzusammenhang zeigen, dass es sich um den Plural handelt. Und manche Pluralformen ändern nur den Vokal, ganz ohne Endung: der Vater → die Väter.

Das zuverlässigste Muster: feminine Substantive und -(e)n

Von all diesen Mustern ist eines wirklich verlässlich: Die meisten femininen Substantive bilden ihren Plural mit -(e)n, besonders solche auf -e, -ung, -heit, -keit oder -schaft – die Frau → die Frauen, die Lampe → die Lampen, die Zeitung → die Zeitungen. Feminine Substantive auf -in verdoppeln dabei das n: die Freundin → die Freundinnen, die Lehrerin → die Lehrerinnen.

Das ist eine starke Tendenz, keine absolute Regel – einige sehr gebräuchliche feminine Substantive haben einen ganz anderen Plural: die Mutter → die Mütter, die Tochter → die Töchter, die Hand → die Hände, die Stadt → die Städte. Auch bei femininen Substantiven lohnt es sich also, lieber nachzuschlagen als einfach anzunehmen.

Die anderen Muster – -e, -er, -s und keine Endung – sind bei maskulinen und sächlichen Substantiven durchaus alle gebräuchlich, aber das Genus allein verrät meist nicht, welches davon zutrifft. Ein paar bestimmte Endungen geben unabhängig vom Genus einen zuverlässigen Hinweis – Substantive auf -chen oder -lein behalten diese Endung im Plural unverändert, z. B. das Mädchen → die Mädchen – aber abgesehen von solchen Mustern ist es beim alltäglichen Wortschatz am sichersten, den Plural gleich mit dem Substantiv zu lernen.

Im Englischen reicht beim Plural sehr oft ein einfaches -s (dog → dogs, book → books). Im Deutschen funktioniert diese Abkürzung nicht: -s ist nur eines von mehreren Mustern und vor allem bei Lehnwörtern, Abkürzungen und Wörtern auf Vollvokal häufig – bei den meisten anderen Substantiven brauchst du eine der übrigen Endungen.

Der Plural gehört zum Substantiv

Weil sich das Muster oft nicht zuverlässig erraten lässt, hilft es, den Plural gleich mit dem Substantiv selbst zu speichern, genau wie du es beim Genus gelernt hast, statt ihn später aus einer Regel abzuleiten. Viele Wörterbücher und Vokabellisten zeigen das direkt an, z. B. das Kind, -er (der Plural ist also die Kinder) oder die Frau, -en.

  • das Kind → die Kinder – Ich habe drei Kinder.
  • der Tisch → die Tische – Die Tische sind neu.
  • die Katze → die Katzen – Die Katzen schlafen.

Häufige Fehler

  • ❌ Annehmen, dass jedes Substantiv einfach -s bekommt, wie im Englischen → ✅ Das Deutsche hat mehrere Pluralendungen; -s ist meist Lehnwörtern, Abkürzungen und vokalisch endenden Substantiven vorbehalten, z. B. das Auto → die Autos
  • ❌ Den nötigen Umlaut vergessen, z. B. die Stuhle statt die Stühle als Plural von der Stuhl → ✅ die Stühle – der Umlaut ist Teil der Pluralform, kein optionales Extra
  • ❌ Annehmen, die Pluralendung eines maskulinen oder neutralen Substantivs lasse sich allein aus dem Genus ableiten → ✅ Bei femininen Substantiven ist -(e)n die verlässlichste Endung; bei maskulinen und neutralen Substantiven lernt man den Plural am besten mit dem Wort

Kurzer Check

Wie lautet der Plural dieser Substantive? (Bitte mit Artikel.)

  1. die Frau – ein gebräuchliches feminines Substantiv
  2. das Kind – sächlich
  3. der Tisch – maskulin
  4. das Auto – sächlich, ein Lehnwort
Antworten anzeigen
  1. die Frauen
  2. die Kinder
  3. die Tische
  4. die Autos

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der deutsche Plural hat mehrere verschiedene Endungen – vor allem -e, -er, -(e)n, -s und keine Endung – manchmal kombiniert mit einem Umlaut im Stammvokal.
  • Im Nominativ steht bei jedem Pluralsubstantiv derselbe Artikel, die, egal welches Genus es im Singular hatte.
  • Feminine Substantive sind die verlässlichste Gruppe: Die meisten nehmen -(e)n (oder -innen bei Substantiven auf -in) – einige sehr gebräuchliche, wie die Mutter → die Mütter, aber nicht.
  • Bei maskulinen und neutralen Substantiven lässt sich die Endung meist nicht allein aus dem Genus ableiten – der Plural wird am besten gleich mit dem Wort gelernt, genau wie das Genus.