Das ist das Auto meines Bruders.

Der Genitiv verbindet ein Substantiv mit einem anderen: Er zeigt, dass etwas einem anderen gehört oder mit ihm in Beziehung steht – der Gedanke, den das Englische mit 's oder of ausdrückt. Es ist der vierte und letzte Fall, neben Nominativ (Subjekt), Akkusativ (direktes Objekt) und Dativ (indirektes Objekt).

Kurz gesagt: der/das → des, die → der, Plural die → der. Maskuline und neutrale Substantive im Singular bekommen außerdem eine -s/-es-Endung: der Manndes Mannes, das Kinddes Kindes.

Was der Genitiv ausdrückt

Der Genitiv verbindet zwei Substantive, wobei eines dem anderen gehört oder durch das andere näher bestimmt wird:

  • das Auto des Mannes (das Auto, das dem Mann gehört)
  • die Farbe der Blume (die Farbe der Blume)
  • der Anfang des Jahres (der Anfang des Jahres)

Die Frage "wessen?" kann dabei helfen, ihn zu erkennen: Wessen Auto ist das?Das Auto des Mannes.

Die Genitivartikel

Genus Nominativ (Subjekt) Genitiv (Besitzer)
Maskulin der / ein des / eines
Feminin die / eine der / einer
Neutrum das / ein des / eines
Plural die der

Maskulin und Neutrum teilen sich des/eines, genau wie sie sich im Dativ dem/einem teilen – nur Feminin und Plural stehen für sich, beide mit der.

Maskuline und neutrale Substantive bekommen eine -s- oder -es-Endung

Das ist die eigene Besonderheit des Genitivs, die es im Dativ nicht gibt: Ein maskulines oder neutrales Substantiv im Singular bekommt im Genitiv zusätzlich zum Artikel meist auch selbst eine Endung.

  • Substantive, die auf einen s-Laut enden (-s, -ß, -x, -z), bekommen immer -es: der Flussdes Flusses.
  • Einsilbige Substantive bekommen oft ebenfalls -es, wobei -s zunehmend genauso akzeptiert ist: der Manndes Mannes (oder Manns), das Kinddes Kindes (oder Kinds).
  • Längere, mehrsilbige Substantive bekommen einfach -s: das Autodes Autos.
  • Feminine Substantive und der Plural ändern sich nie: die Frauder Frau, die Kinderder Kinder.

das Auto des Mann → ✅ das Auto des Mannes – das Substantiv selbst braucht die Endung, nicht nur der Artikel.

Eine Gruppe verdient besondere Aufmerksamkeit: schwache Maskulina wie der Junge oder der Student, die im Akkusativ und Dativ bereits -n/-en bekommen (den Jungen, den Studenten), behalten dieselbe Endung auch im Genitiv, statt -sdes Jungen, des Studenten, nicht ❌ des Jungens. Dieses Muster (die n-Deklination) ist ein eigenes Thema; wichtig ist hier nur zu erkennen, dass eine Handvoll maskuliner Substantive nicht der -s/-es-Regel folgt.

Wortstellung: der Genitiv folgt dem Substantiv

Eine Genitivphrase steht normalerweise nach dem Substantiv, zu dem sie gehört:

  • das Auto des Mannes (das Auto des Mannes). Die umgekehrte Reihenfolge, des Mannes Auto, ist ebenfalls grammatisch korrekt, wirkt aber gehoben oder literarisch statt alltäglich.

Eigennamen sind die Ausnahme und funktionieren genau umgekehrt, ganz wie das englische 's: Der Name steht vorn und bekommt einfach ein -s, ohne Artikel und ohne zusätzliche Endung – Peters Auto, Annas Buch. Anders als im Englischen steht vor diesem -s kein Apostroph – außer bei Namen, die schon auf einen s-Laut enden (-s, -ß, -x, -z): Die bekommen nur einen Apostroph, ohne zusätzliches -s: Hans' Auto, Max' Buch.

Genitiv vs. von im Alltag

In der gesprochenen Sprache wird der Genitiv sehr oft ganz vermieden und durch von + Dativ ersetzt:

  • Genitiv (eher formell/schriftlich): das Auto des Mannes
  • Gesprochene Alternative: das Auto von dem Mann (meist verkürzt: vom Mann)

Beide Formen sind korrektes Deutsch, aber sie sind stilistisch nicht beliebig austauschbar: Der Genitiv ist in der Schriftsprache, in formeller Rede und in festen Wendungen der Standard, während von + Dativ das lockere Gespräch dominiert – besonders bei Namen und Pronomen, wo der Genitiv steif klingen kann. Auch bestimmte Präpositionen (wegen, während, trotz, statt) verlangen den Genitiv; das ist ein eigenes Thema.

Im Englischen entspricht dem deutschen Genitiv kein eigener Fall, sondern zwei ganz unterschiedliche Mittel: 's (the man*'s** car*) für Personen und Lebewesen, sonst meist of (the beginning of the year). Wer aus dem Englischen kommt, muss also lernen, dass das Deutsche für beide Fälle denselben Genitiv verwendet – das Auto des Mannes und der Anfang des Jahres funktionieren grammatisch identisch, obwohl das Englische sie unterschiedlich ausdrückt.

Häufige Fehler

  • das Auto des Mann → ✅ das Auto des Mannes (das Substantiv braucht seine eigene Endung, nicht nur der Artikel)
  • des Jungens Ball → ✅ der Ball des Jungen (schwache Maskulina bekommen -n/-en, nicht -s)
  • Peter's Auto → ✅ Peters Auto (kein Apostroph vor dem possessiven -s bei einem Namen – außer der Name endet bereits auf einen s-Laut, wie Hans' Auto)

Kurzer Check

Welche Form ist richtig?

  1. die Tasche ___ Frau (die / der) – Tasche der Frau
  2. das Ende ___ Films (der / des) – Ende des Films
  3. der Titel ___ Buches (das / des) – Titel des Buches (das Buch)
  4. ___ Auto (Anna's / Annas) – Annas Auto
Antworten anzeigen
  1. der Frau   2. des Films   3. des Buches   4. Annas Auto

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Genitiv zeigt Besitz oder eine Beziehung zwischen zwei Substantiven, ähnlich wie das englische 's oder of. Die Frage wessen? kann helfen, ihn zu erkennen.
  • Artikel: der/das → des, die → der, Plural die → der.
  • Maskuline und neutrale Substantive im Singular bekommen zusätzlich eine Endung: -es nach einem s-Laut und meist bei einsilbigen Substantiven (des Mannes, des Kindes), sonst einfach -s (des Autos). Schwache Maskulina behalten stattdessen ihre -n/-en-Endung (des Jungen, des Studenten).
  • Eine Genitivphrase steht normalerweise nach dem Substantiv, zu dem sie gehört; Eigennamen funktionieren umgekehrt und stehen vorn mit -s ohne Apostroph (Peters Auto) – außer bei Namen, die schon auf einen s-Laut enden, die bekommen nur einen Apostroph (Hans' Auto).
  • Im Alltag wird der Genitiv oft durch von + Dativ ersetzt (vom Mann); in der Schriftsprache und in festen Wendungen bleibt der Genitiv der Standard.