Possessivartikel zeigen, wem etwas gehört – mein, dein, sein, ihr, unser, euer. Die gute Nachricht: Bei Nomen im Singular verhalten sie sich genau wie ein. Lerne diese Endungen einmal, und du kennst sie für jeden Possessivartikel gleichzeitig.

Kurz gesagt: Wähle den richtigen Possessivstamm für den Besitzer (mein-, dein-, sein- ...), und hänge dieselbe Endung an, die auch ein für Genus und Kasus des Nomens hätte.

Possessivstämme je nach Besitzer

Zu jeder Person gehört ein eigener Possessivstamm; manche Formen sind identisch:

Besitzer Possessivstamm Bedeutung
ich mein- mein
du dein- dein
er sein- sein
sie (Singular) ihr- ihr
es sein- sein
wir unser- unser
ihr euer- euer
sie (Plural) ihr- ihr
Sie Ihr- Ihr (höflich) – immer großgeschrieben, wie Sie selbst

Sein- deckt sowohl er als auch es ab – ein Ding, auf das mit er oder es verwiesen wird, bekommt ebenfalls sein-, weil im Deutschen das grammatische Geschlecht das Pronomen bestimmt, nicht das natürliche Geschlecht oder der tatsächliche Besitzer. ihr- deckt sowohl sie (Singular) als auch sie (Plural) ab – der Kontext zeigt, welche Bedeutung gemeint ist. Ihr- (höflich) wird großgeschrieben, um es von ihr- zu unterscheiden, genau wie Sie von sie unterschieden wird.

Die Endungen funktionieren genau wie bei ein

Der bloße Stamm – mein, dein, sein – steht vor maskulinen Nomen im Nominativ sowie vor neutralen Nomen in Nominativ und Akkusativ. In jeder anderen Kombination aus Genus, Kasus und Numerus wird dieselbe Endung wie bei ein angehängt:

maskulin feminin neutral Plural
Nominativ mein Vater meine Mutter mein Kind meine Kinder
Akkusativ meinen Vater meine Mutter mein Kind meine Kinder
  • Mein Vater ist hier. – maskulin, Nominativ, keine Endung
  • Ich sehe meinen Vater. – maskulin, Akkusativ, -en
  • Meine Mutter kocht. – feminin, -e, in beiden Fällen gleich
  • Mein Kind schläft. – neutral, keine Endung, in beiden Fällen gleich
  • Meine Kinder schlafen. – Plural, -e, in beiden Fällen gleich

Das ist genau das Muster der Akkusativartikel einen/eine/ein: Nur die maskuline Form ändert sich zwischen Nominativ und Akkusativ – feminin und neutral bleiben gleich. Anders als ein (das keinen normalen Plural hat) haben Possessivartikel auch eine Pluralform, und sie sieht immer wie die feminine Form aus: -e.

Euer verliert das e vor einer Endung

Euer ist der einzige Stamm mit einer kleinen Rechtschreibbesonderheit: Sobald eine Endung angehängt wird, fällt das e direkt vor dem r weg, damit das Wort aussprechbar bleibt:

  • Euer Hund ist süß. – keine Endung, voller Stamm
  • Eure Katze ist süß. – feminin, ✅ eure, nicht ❌ euere
  • Ich sehe euren Hund. – maskulin, Akkusativ, ✅ euren, nicht ❌ eueren

Im alltäglichen Standarddeutsch fällt das mittlere e bei euer normalerweise weg; die unverkürzten Formen euere/eueren gibt es zwar, sind aber unüblich – halte dich also an eure/euren. Unser kann das e ebenfalls weglassen (unsre neben unsere), aber bei unser sind beide Formen gleich standardsprachlich – auf A1-Niveau ist unsere die sicherste Wahl.

Häufige Fehler

  • Meine Vater ist hier. → ✅ Mein Vater ist hier. (Vater ist maskulin, im Nominativ also ohne Endung – das -e gehört zu femininen Nomen wie Mutter)
  • Ich sehe mein Vater. → ✅ Ich sehe meinen Vater. (maskuline Nomen brauchen im Akkusativ -en, auch wenn der Nominativ keine Endung hat)
  • Das ist ihre Buch. (gemeint: „ihr Buch“) → ✅ Das ist ihr Buch. (Buch ist neutral, also ohne Endung – das Genus des Nomens entscheidet über die Endung, nicht der Besitzer)
  • Euere Wohnung ist schön. → ✅ Eure Wohnung ist schön. (euer verliert das mittlere e, sobald eine Endung dazukommt)

Kurzer Check

Ergänze die richtige Possessivform.

  1. (ich) ____ Bruder wohnt in Berlin. (mein / meine)
  2. (sie) Ich mag ____ Schwester. (ihr / ihre)
  3. (wir) ____ Auto ist neu. (unser / unsere)
  4. (du) Ich sehe ____ Hund. (dein / deinen)
  5. (ihr) Wo ist ____ Lehrer? (euer / eure)
Antworten anzeigen
  1. Mein (maskulin, Nominativ, keine Endung)
  2. ihre (Schwester ist feminin – Akkusativ sieht wie Nominativ aus)
  3. Unser (Auto ist neutral, Nominativ, keine Endung)
  4. deinen (maskulin, Akkusativ, -en)
  5. euer (Lehrer ist maskulin, Nominativ, keine Endung)

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Jeder Besitzer hat seinen eigenen Possessivstamm: mein-, dein-, sein-, ihr-, unser-, euer-, ihr-/Ihr-.
  • Sein- deckt er und es ab; ihr- deckt sie (Singular) und sie (Plural) ab; Ihr- (höflich) wird immer großgeschrieben.
  • Im Singular stimmen die Endungen genau mit ein überein: keine Endung bei maskulin/neutral im Nominativ, -e feminin, -en maskulin im Akkusativ.
  • Im Plural steht immer -e, sowohl im Nominativ als auch im Akkusativ – dieselbe Endung wie feminin.
  • Genus und Numerus des Nomens entscheiden über die Endung – nicht der Besitzer.
  • Euer verliert normalerweise das mittlere -e vor einer Endung: eure, euren (nicht euere/eueren).