Eine kleine Gruppe maskuliner Nomen verhält sich anders als alle übrigen: Statt im ganzen Singular unverändert zu bleiben, bekommen sie außer im Nominativ Singular in jedem Kasus -n oder -en. Das ist die N-Deklination — die „schwachen“ maskulinen Nomen. Der Junge ist das Musterbeispiel: der Junge im Nominativ, aber den Jungen, dem Jungen, des Jungen und die Jungen überall sonst.

Kurz gesagt: Ein regelmäßiges schwaches Nomen hat nur zwei Formen — den bloßen Nominativ Singular (der Student) und die -(e)n-Form für alles andere (den/dem/des Studenten, Plural die Studenten). Der Herr und die gemischten Nomen weiter unten sind die Ausnahmen.

Das Muster

Singular Plural
Nom. der Student die Studenten
Akk. den Studenten die Studenten
Dat. dem Studenten den Studenten
Gen. des Studenten der Studenten

Nur der Nominativ Singular ist „bloß“. Vergleiche das mit einem normalen maskulinen Nomen wie der Tisch, das im ganzen Singular der Tisch bleibt und nur im Genitiv (des Tisches) und im Plural eine Endung bekommt.

  • Der Student wohnt in Berlin. — Nominativ Singular, Grundform
  • Ich kenne den Studenten. — Akkusativ → -en
  • Ich helfe dem Studenten. — Dativ → -en
  • das Zimmer des Studenten — Genitiv → -en

Welche Nomen sind schwach

Drei Gruppen decken fast alle ab.

1. Maskuline Nomen auf -e, die Personen oder Tiere bezeichnen:

der Junge, der Kunde, der Kollege, der Neffe, der Experte, der Zeuge, der Erbe, der Franzose, der Grieche, der Löwe, der Affe, der Hase, der Rabe.

2. Maskuline Personenbezeichnungen fremder Herkunft mit Betonung auf der letzten Silbe — sehr oft auf -ant, -ent, -ist, -at, -oge, -graf:

der Praktikant, der Demonstrant, der Student, der Präsident, der Assistent, der Journalist, der Polizist, der Tourist, der Diplomat, der Soldat, der Kandidat, der Demokrat, der Biologe, der Psychologe, der Fotograf, der Architekt, der Philosoph, der Katholik.

der Elefant und der Automat gehören ebenfalls hierher, obwohl es keine Personen sind.

3. Einige ältere heimische Nomen ohne -e:

der Herr, der Nachbar, der Bauer, der Mensch, der Held, der Prinz, der Graf, der Narr.

Nomen auf -e hängen einfach -n an (JungeJungen), ebenso Nachbar und Bauer (Nachbarn, Bauern). Alle anderen bekommen -en (StudentStudenten, MenschMenschen, HerrHerren im Plural). In der Praxis musst du selten überlegen — die Formen klingen von selbst richtig, sobald du sie ein paarmal gehört hast.

der Herr — eine kleine Ausnahme

Der Herr bekommt im Singular nur -n, im Plural aber -en:

  • Ich habe mit dem Herrn gesprochen. — Singular → -n
  • Ich schreibe Herrn Müller.Herr bekommt das -n vor dem Namen; der Name selbst ändert sich nicht
  • Meine Damen und Herren — Plural → -en

Gemischte Nomen: der Name, der Gedanke

Eine eigene kleine Gruppe — die gemischte Deklination — hängt im Akkusativ und Dativ wie die schwachen Nomen -n an, im Genitiv Singular aber -ns:

Nom. der Name
Akk. den Namen
Dat. dem Namen
Gen. des Namens

Weitere Nomen dieser kleinen Gruppe: der Gedanke, der Glaube, der Wille, der Buchstabe, der Friede, der Funke. Das neutrale das Herz gehört dazu: dem Herzen, des Herzens — beachte aber, dass Nominativ und Akkusativ beide das bloße das Herz sind.

  • der zweite Teil des Namens; des Names kommt ebenfalls vor, aber nie ❌ des Namen

Was nicht schwach ist

Nicht jedes maskuline Nomen auf -e ist schwach. Sachen (keine Personen oder Tiere) behalten den normalen starken Genitiv:

  • der Käsedes Käses (nicht ❌ des Käsen)
  • der Seedes Sees
  • der Name ist ein gemischtes Nomen (des Namens), aber ✅ der Weindes Weines ist ganz gewöhnlich

Und substantivierte Adjektive wie der Deutsche oder der Angestellte sehen nur ähnlich aus — ihre Endung ändert sich mit dem Begleitwort davor (der Deutsche, ein Deutscher), während ein schwaches Nomen dieselbe -(e)n-Form behält, egal was davorsteht (der Student, ein Student, aber den Studenten, einen Studenten).

Häufige Fehler

  • Ich kenne den Student. → ✅ Ich kenne den Studenten. (Akkusativ → -en)
  • Ich habe mit einem Kollege gesprochen. → ✅ Ich habe mit einem Kollegen gesprochen. (Dativ → -n)
  • Der Studenten wartet draußen. → ✅ Der Student wartet draußen. (der Nominativ Singular ist bloß — kein -en)
  • das Auto von meinem Nachbar → ✅ das Auto von meinem Nachbarn (Dativ → -n)
  • die Bedeutung des Name → ✅ die Bedeutung des Namens (gemischtes Nomen → Genitiv -ns)
  • Ich sehe einen Elefant. → ✅ Ich sehe einen Elefanten. (schwach, obwohl es ein Tier und keine Person ist)

Kurzer Check

Setze das Nomen in Klammern in die richtige Form.

  1. Kannst du (der Praktikant) ___ die Aufgabe erklären? (Dativ)
  2. Wir haben gestern (mein Nachbar) ___ im Garten geholfen. (Dativ)
  3. Das ist die Meinung (der Experte) ___. (Genitiv)
  4. Wie schreibt man den zweiten Teil (der Name) ___? (Genitiv)
  5. (Der Kollege) ___ kommt heute später. (Nominativ)
Antworten anzeigen
  1. dem Praktikanten (Dativ → -en)
  2. meinem Nachbarn (Dativ → -n)
  3. des Experten (Genitiv → -en)
  4. des Namens (gemischtes Nomen → Genitiv -ns)
  5. Der Kollege (Nominativ Singular ist bloß — keine Endung)

Im Englischen verändert sich das Nomen fast nicht — the student, the student's, to the student: nur der Genitiv bekommt ein -'s, der Kasus steckt sonst in Präpositionen und Wortstellung. Deutsche schwache Nomen zeigen den Kasus dagegen direkt am Wort, und das schon im Singular: den/dem/des Studenten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schwache maskuline Nomen bekommen außer im Nominativ Singular in jedem Kasus -n oder -en: der Studentden/dem/des Studenten, Plural die Studenten.
  • Die drei Gruppen: maskuline -e-Nomen für Personen/Tiere (der Junge, der Kollege), Personenbezeichnungen fremder Herkunft mit Endbetonung (der Student, der Journalist, der Biologe) und einige heimische Nomen (der Herr, der Nachbar, der Mensch).
  • der Herr bekommt im Singular -n, im Plural -en (dem Herrn, die Herren).
  • Die gemischten Nomen (der Name, der Gedanke, der Glaube) sind eine eigene Gruppe: -n im Akkusativ und Dativ, aber -ns im Genitiv Singular (des Namens).
  • Maskuline -e-Nomen für Sachen (der Käse, der See) sind nicht schwach, und substantivierte Adjektive (der Deutsche) sehen nur ähnlich aus — ihre Endung wechselt mit dem Begleitwort.