Das Deutsche macht sehr frei Nomen aus Adjektiven und Partizipien: deutsch → der Deutsche, bekannt → eine Bekannte, reisen → die Reisenden. Diese Wörter werden großgeschrieben wie jedes andere Nomen, aber der entscheidende Gedanke ist: sie behalten die Adjektivendungen, genau so, als stünde das Adjektiv noch vor einem unsichtbaren Nomen. Die Endung hängt also von denselben drei Situationen ab, die du schon kennst — ein der-Wort davor (schwache Endungen), ein ein-Wort davor (gemischte Endungen) oder gar nichts davor (starke Endungen).
Kurz gesagt: Ein substantiviertes Adjektiv nimmt dieselbe Endung, die das Adjektiv hätte in der ___e Mann / ein ___er Mann / ___er Mann. Daraus wird der Deutsche (wie der deutsche Mann), ein Deutscher (wie ein deutscher Mann), als Deutscher (wie deutscher Mann).
Personen: der Deutsche, eine Angestellte
Hier ist deutsch als Nomen für eine Person, in allen drei Mustern:
| Nach einem der-Wort | Nach einem ein-Wort | Ohne Begleiter | |
|---|---|---|---|
| Mask. Nom. | der Deutsche | ein Deutscher | Deutscher |
| Mask. Akk. | den Deutschen | einen Deutschen | Deutschen |
| Mask. Dat. | dem Deutschen | einem Deutschen | Deutschem |
| Fem. Nom./Akk. | die Deutsche | eine Deutsche | Deutsche |
| Plural Nom./Akk. | die Deutschen | meine Deutschen | Deutsche |
- Der Deutsche dort drüben ist mein Nachbar. (Der Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit dort ist mein Nachbar.) — Mask. Nom. nach der → -e
- Ich habe gestern einen alten Bekannten getroffen. (Ich bin gestern jemandem begegnet, den ich seit Langem kenne.) — Mask. Akk. nach einen → -en
- Sie arbeitet als Angestellte in einer Bank. (Sie ist bei einer Bank fest beschäftigt.) — Fem., ohne Begleiter → -e
- Deutsche trinken viel Kaffee. (Menschen aus Deutschland trinken im Schnitt viel Kaffee.) — Plural, ohne Begleiter → -e
Häufige Nomen dieser Art: der/die Bekannte, Verwandte, Angestellte, Vorgesetzte, Erwachsene, Jugendliche, Fremde, Kranke, Verletzte, Reisende.
der Beamte wird nach diesem Adjektivmuster dekliniert (ein Beamter, dem Beamten), aber die feminine Form hat eine Besonderheit: Sie kann die Beamte oder die Beamtin lauten, wobei die Beamtin heute die üblichere Wahl ist.
Abstraktes: etwas Schönes, nichts Gutes
Nach etwas, nichts, viel, wenig und allerlei nimmt ein neutrales substantiviertes Adjektiv die starke neutrale Endung -es:
- etwas Neues, nichts Gutes, viel Interessantes, wenig Schönes
- Ich habe etwas Wichtiges vergessen.
Nach alles ist die Endung dagegen schwach -e — ✅ alles Gute, nie ❌ alles Gutes:
- Ich wünsche dir alles Gute!
- Alles Nötige ist erledigt.
Diese abstrakten Nomen sind immer neutrum und stehen im Singular. (etwas anderes / etwas Anderes — beide Schreibweisen sind zulässig; ander- bleibt hier oft kleingeschrieben.)
Großschreibung oder klein geschriebenes Adjektiv
Der Großbuchstabe ist das Signal, dass das Wort jetzt die Aufgabe eines Nomens übernimmt. Bleibt es ein Adjektiv, bleibt es klein:
- der Deutsche = eine Person aus Deutschland, aber der deutsche Pass = das Ausweisdokument ✅
- ein Angestellter = eine beschäftigte Person, aber ein angestellter Lehrer = ein Lehrer in einem festen Arbeitsverhältnis ✅
Die Endungen sind in beiden Fällen gleich — nur Großschreibung und Bedeutung ändern sich.
Aus Partizipien
Dasselbe funktioniert mit Partizipien, und zwar sehr häufig:
- Partizip I: reisen → der/die Reisende, studieren → der/die Studierende, vorsitzen → der/die Vorsitzende
- Partizip II: anstellen → der/die Angestellte, verletzen → der/die Verletzte, gefangen nehmen → der/die Gefangene
Sie werden genau wie Deutsche dekliniert: ein Reisender, dem Verletzten, die Studierenden.
Häufige Fehler
- ❌ alles Gutes zum Geburtstag! → ✅ alles Gute zum Geburtstag! (nach alles ist die Endung schwach -e)
- ❌ Er ist ein Deutsche. → ✅ Er ist ein Deutscher. (Mask. Nom. nach ein → -er)
- ❌ Ich habe etwas Neue gehört. → ✅ Ich habe etwas Neues gehört. (neutrum stark -es nach etwas)
- ❌ Ich bin Deutsche. (von einem Mann gesagt) → ✅ Ich bin Deutscher. (ohne Artikel muss die starke Endung das Genus zeigen)
- ❌ Ich habe mit einem Bekannte gesprochen. → ✅ Ich habe mit einem Bekannten gesprochen. (Dativ nach einem → -en)
Kurzer Check
Setze die richtige Endung ein.
- Ich habe gestern einen alt___ Bekannt___ getroffen. (Mask. Akk., nach einen)
- Sie arbeitet als Angestellt___ in einer Bank. (Fem., ohne Begleiter, Nominativ)
- Wir wünschen dir alles Gut___!
- Habt ihr im Urlaub etwas Interessant___ erlebt?
Antworten anzeigen
- einen alten Bekannten (Mask. Akk. nach einem ein-Wort → -en / -en)
- als Angestellte (feminin, ohne Begleiter, Nominativ → -e)
- alles Gute (nach alles → schwach -e)
- etwas Interessantes (neutrum, nach etwas → stark -es)
Im Englischen bleibt ein substantiviertes Adjektiv formgleich — the German, a German, as a German sehen alle gleich aus, egal welche Rolle das Wort im Satz spielt. Das Deutsche behält dagegen die volle Adjektivendung auf dem Nomen und ändert sie mit Kasus und Begleitwort: der Deutsche, dem Deutschen, ein Deutscher.
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Das Wichtigste auf einen Blick
- Substantivierte Adjektive werden großgeschrieben, nehmen aber weiterhin Adjektivendungen: schwach nach einem der-Wort, gemischt nach einem ein-Wort, stark ohne Begleiter.
- Personen: der Deutsche / ein Deutscher / als Deutscher; ebenso Bekannte, Angestellte, Verwandte, Erwachsene, Reisende und viele mehr.
- der Beamte folgt dem Muster; die feminine Form kann die Beamte oder (heute üblicher) die Beamtin lauten.
- Nach etwas, nichts, viel, wenig endet die neutrale Form auf -es (etwas Neues), nach alles auf -e (alles Gute).
- Kleinschreibung heißt, es ist noch ein Adjektiv (der deutsche Pass); der Großbuchstabe heißt, es ist zum Nomen geworden (der Deutsche).