Ein Relativsatz gibt zusätzliche Information zu einem Nomen: der Mann, der nebenan wohnt, das Buch, das ich dir geliehen habe. Im Deutschen sieht das Verbindungswort — das Relativpronomen — fast genauso aus wie der bestimmte Artikel (der, die, das) und erledigt zwei Aufgaben auf einmal. Genus und Numerus übernimmt es vom Bezugswort, auf das es zurückweist; seinen Kasus bekommt es von der Aufgabe, die es innerhalb des Relativsatzes hat. Außerdem ist ein Relativsatz ein Nebensatz: Das konjugierte Verb rückt ans Ende, und ein Komma trennt den Relativsatz immer vom Hauptsatz ab — ein zweites Komma schließt ihn nur, wenn der Satz danach weitergeht.
Kurz gesagt: Nimm Genus und Numerus vom Bezugswort außerhalb, dann frag „Was macht dieses Pronomen in seinem eigenen Satz?“ — Subjekt → Nominativ, direktes Objekt → Akkusativ, Dativverb → Dativ; nach einer Präposition der Kasus, den diese Präposition verlangt.
Die Relativpronomen
| Mask. | Fem. | Neutr. | Plural | |
|---|---|---|---|---|
| Nom. | der | die | das | die |
| Akk. | den | die | das | die |
| Dat. | dem | der | dem | denen |
Sie sind mit dem bestimmten Artikel identisch (der, die, das); nur eine Form muss man extra lernen: Der Dativ Plural heißt denen, nicht den. (Die Genitivformen dessen und deren sind ein eigener Schritt und kommen hier nicht vor.)
Genus vom Bezugswort, Kasus vom Satz
Hier steht der Mann (maskulin, Singular) dreimal als Bezugswort. Das Nomen ändert sich nie — der Kasus des Pronomens schon, weil sich seine Rolle im Relativsatz ändert:
- Der Mann, der dort steht, ist mein Chef. — der ist das Subjekt von steht → Nominativ
- Der Mann, den ich gestern gesehen habe, ist mein Chef. — den ist das direkte Objekt von gesehen habe → Akkusativ
- Der Mann, dem ich geholfen habe, ist mein Chef. — dem ist das Dativobjekt von helfen → Dativ
Feminine und neutrale Nomen funktionieren genauso. Beachte, dass Nominativ und Akkusativ bei Femininum und Neutrum gleich aussehen:
- Die Frau, die neben mir wohnt (Nom.) — Die Frau, die ich kenne (Akk.) — Die Frau, der ich vertraue (Dat., vertrauen steht mit Dativ)
- Das Kind, das dort spielt (Nom.) — Das Kind, das ich abhole (Akk.) — Das Kind, dem ich helfe (Dat.)
Im Plural steht die für Nominativ und Akkusativ und denen für den Dativ:
- die Leute, die hier arbeiten (Nom.) — die Leute, die ich eingeladen habe (Akk.) — die Leute, denen ich geschrieben habe (Dat.)
In jedem dieser Beispiele steht das Verb ganz am Ende des Relativsatzes. Ein Komma öffnet den Relativsatz immer; ein zweites Komma schließt ihn nur, wenn der Hauptsatz danach weitergeht: Der Zug*,** der nach Berlin fährt**,** ist schon weg*, aber Ich kenne den Mann*,** der nach Berlin fährt.*
Präpositionen rücken nach vorn
Gehört das Relativpronomen zu einer Präposition, wandert die Präposition mit ihm an den Anfang des Relativsatzes — anders als im Englischen bleibt sie nie am Ende stehen:
- ✅ Das ist die Firma, für die ich arbeite. — nie ❌ …die ich für arbeite
- der Stuhl, auf dem du sitzt
- die Kollegen, mit denen ich das Projekt mache
Die Präposition bestimmt den Kasus: mit steht mit Dativ (mit dem / der / denen), für mit Akkusativ (für den / die / das), und eine Wechselpräposition wie auf steht mit Dativ, wenn sie einen Ort angibt (auf dem).
Im Englischen kann das Relativpronomen sogar ganz wegfallen (the book I lent you), und die Präposition bleibt am Satzende (the company I work for). Im Deutschen geht beides nicht: Das Pronomen steht immer, und die Präposition rückt mit nach vorn.
was und wo
Manchmal heißt das Relativwort was oder wo statt der/die/das:
- was nach dem Pronomen das (im Sinne von „diese Sache“) sowie nach etwas, nichts, alles, vieles, weniges und nach einem substantivierten Superlativ im Neutrum: Alles, was ich weiß, steht hier. / Es gibt nichts, was mich stört. / Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Ein bestimmtes neutrales Nomen behält das: ✅ das Buch, das ich lese, nie ❌ das Buch, was ich lese.
- was, wenn es sich auf einen ganzen Satz bezieht: Er hat die Prüfung bestanden, was mich sehr freut.
- wo für Orte: die Stadt, wo ich geboren bin. Das ist im Alltagsdeutsch verbreitet, aber die Form in / an + dem/der gibt die räumliche Beziehung genauer wieder und ist in gepflegter und geschriebener Sprache üblicher: die Stadt, in der ich geboren bin; der Ort, an dem wir uns treffen.
Häufige Fehler
- ❌ Der Mann, der ich gestern getroffen habe → ✅ Der Mann, den ich gestern getroffen habe (direktes Objekt → Akkusativ)
- ❌ Die Frau, die ich helfe → ✅ Die Frau, der ich helfe (helfen steht mit Dativ → Dativverben)
- ❌ die Freunde, mit die ich reise → ✅ die Freunde, mit denen ich reise (Dativ Plural nach mit → denen)
- ❌ Das ist der Film, den ich gesehen habe ihn → ✅ Das ist der Film, den ich gesehen habe (kein zusätzliches Pronomen — das Relativpronomen ist schon das Objekt)
- ❌ Das Buch, das liegt auf dem Tisch, ist meins → ✅ Das Buch, das auf dem Tisch liegt, ist meins (Verb ans Ende)
- ❌ Der Zug der nach Berlin fährt ist weg → ✅ Der Zug*,** der nach Berlin fährt**,** ist weg* (Komma vor dem Relativsatz immer; hier ein zweites, weil der Hauptsatz mit ist weg weitergeht)
Kurzer Check
Setze das richtige Relativpronomen ein.
- Das ist die Lehrerin, ___ uns Deutsch unterrichtet.
- Wo ist das Fahrrad, ___ du gekauft hast?
- Der Nachbar, ___ ich oft helfe, ist schon alt.
- Das sind die Kollegen, mit ___ ich jeden Tag arbeite.
- Der Kuchen, ___ meine Oma gebacken hat, ist schon weg.
Antworten anzeigen
- die (feminin, Nominativ — Subjekt von unterrichtet)
- das (neutrum, Akkusativ — Objekt von gekauft hast)
- dem (maskulin, Dativ — helfen steht mit Dativ)
- denen (Dativ Plural nach mit)
- den (maskulin, Akkusativ — Objekt von gebacken hat)
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Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Relativpronomen richtet sich in Genus und Numerus nach seinem Bezugswort, bekommt seinen Kasus aber von seiner Rolle im Relativsatz: Subjekt → Nominativ, direktes Objekt → Akkusativ, Dativverb → Dativ; nach einer Präposition der von ihr verlangte Kasus.
- Die Formen sind die des bestimmten Artikels (der, die, das, den, dem, die) — extra merken muss man den Dativ Plural denen.
- Ein Relativsatz ist ein Nebensatz: konjugiertes Verb am Ende, Komma davor — plus schließendes Komma, wenn der Hauptsatz weitergeht.
- Eine Präposition bleibt beim Pronomen und steht vorn: die Firma, für die ich arbeite — nie am Satzende.
- was nach das / etwas / nichts / alles und für den Bezug auf einen ganzen Satz; wo für Orte.