Du weißt schon, dass nach manchen Verben -ing steht und nach anderen to + Verb — sieh dir dazu Gerundium und Infinitiv (Verbmuster) mit den Grundlisten und den vier bedeutungsverändernden Verben remember, forget, stop, try an. Dieser Artikel baut darauf auf: Gerundien in der Rolle eines Substantivs, ein paar weitere Verben, bei denen die Wahl die Bedeutung ändert, die leicht zu verwechselnde used to-Familie und Muster, bei denen das zweite Verb das to ganz verliert.
Das Gerundium als Subjekt
Ein Gerundium folgt nicht nur auf ein anderes Verb — es kann auch das Subjekt eines Satzes sein und wie eine Nominalphrase wirken:
- Swimming is good exercise.
- Learning a language takes time.
- Smoking damages your lungs.
Ein to-Infinitiv kann einen Satz theoretisch auch einleiten (To smoke is bad for you), klingt daneben aber förmlich und etwas altmodisch — im Alltagsenglisch ist das Gerundium als Subjekt deutlich natürlicher: ✅ Smoking is bad for you.
Ein Gerundium steht auch nach be, wenn beschrieben wird, was etwas ist:
- My favourite hobby is reading.
- The hardest part was waiting.
Weitere Verben, die mit -ing oder to die Bedeutung ändern
Neben remember, forget, stop, try ändern noch ein paar weitere gebräuchliche Verben ihre Bedeutung je nachdem, was folgt:
| Verb | + -ing | + to |
|---|---|---|
| regret | I regret telling her the truth. (mir tut etwas leid, das ich schon getan habe) | We regret to inform you that your flight is cancelled. (eine feste, förmliche Formel, um schlechte Nachrichten einzuleiten) |
| mean | Losing this contract would mean closing the factory. (es würde das zur Folge haben) | I meant to call you yesterday, but I forgot. (ich hatte vor, es zu tun) |
| go on | She went on talking for another hour. (setzte dieselbe Tätigkeit fort) | After the introduction, he went on to explain the results. (beendete eine Sache und ging zur nächsten über) |
Das Muster regret + to ist eng begrenzt — es wird eigentlich nur mit Verben wie say, tell, inform verwendet, um förmlich eine schlechte Nachricht anzukündigen, nicht für ein allgemeines "etwas bereuen". Vergleiche: ✅ I regret leaving my last job (ich wünschte, ich hätte nicht gekündigt) gegenüber ✅ I regret to inform you that the position has been filled (förmliche schlechte Nachricht, kein persönliches Bedauern über eine vergangene Handlung).
Go on + -ing und go on + to sehen ähnlich aus, beschreiben aber fast Gegenteiliges: ✅ he went on complaining bedeutet, er beschwerte sich weiter über dieselbe Sache, während ✅ he went on to complain bedeuten würde, dass er von etwas anderem zu einer neuen Beschwerde überging.
Used to vs. be used to vs. get used to
Diese drei sehen fast identisch aus, gehören aber zu völlig unterschiedlichen Grammatikbereichen — sie zu verwechseln ist einer der häufigsten Fehler auf fortgeschrittenem Niveau:
| Form | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| used to + Grundform | eine vergangene Gewohnheit oder ein vergangener Zustand, die/der heute nicht mehr gilt (siehe Used to (vergangene Gewohnheiten und Zustände)) | I used to live in Rome. |
| be used to + -ing | an etwas gewöhnt/damit vertraut sein — in jeder Zeitform | I*'m used to living** alone now.* / I was used to living alone by then. |
| get used to + -ing | sich mit der Zeit an etwas gewöhnen — ein Prozess | I'm getting used to living alone. |
Das entscheidende Erkennungsmerkmal: used to (vergangene Gewohnheit) steht immer mit der Grundform, während nach be/get used to immer eine Nominalphrase, ein Pronomen oder eine -ing-Form folgt (I'm used to it, I'm used to the noise, I'm used to working) — denn hier ist used to eigentlich eine Adjektivphrase (used to = "daran gewöhnt"), und to ist eine Präposition, kein Teil eines Infinitivs.
- ✅ I used to work nights. (eine vergangene Gewohnheit — heute nicht mehr wahr)
- ✅ I*'m used to working** nights now.* (das ist für mich inzwischen normal)
- ❌ I'm used to work nights. → ✅ I'm used to working nights. (nach der Präposition to steht -ing, nie die Grundform)
Im Deutschen sagt man "ich bin gewöhnt/gewohnt, früh aufzustehen" mit einem zu-Infinitiv — genau dieses Muster führt viele deutsche Lernende dazu, ❌ I'm used to get up early zu sagen. Im Englischen braucht be used to aber immer die -ing-Form, weil das to hier eine Präposition ist wie in I'm used to the noise — nicht der englische to-Infinitiv, und auch nicht einfach das Gegenstück zum deutschen zu-Infinitiv.
Objekt + Infinitiv ohne to: Wahrnehmungsverben, make, let, help
Bisher hat jedes to + Verb-Muster sein to behalten. Eine kleine Gruppe von Verben lässt es weg und verwendet stattdessen nach einem Objekt einen bloßen Infinitiv (die Grundform ohne to).
Wahrnehmungsverben — see, watch, hear, notice, feel — stehen mit Objekt + bloßem Infinitiv, wenn eine Handlung als ganzes, abgeschlossenes Ereignis wahrgenommen wird, und mit Objekt + -ing, wenn eine Handlung im Verlauf erfasst wird:
- I saw him leave the building. (als ganzes Ereignis gesehen — er ist gegangen, das war's)
- I saw him leaving the building. (mittendrin erfasst — vielleicht ging er noch, als ich wegschaute)
- We heard her sing the whole song. (das ganze Ereignis)
- We heard her singing as we walked past. (nur ein Moment davon, im Verlauf)
Make, let und help stehen ebenfalls mit Objekt + bloßem Infinitiv:
- Her boss made her redo the report. (gezwungen)
- My parents let me stay up late. (erlaubt)
- Could you help me carry these bags? (help kann auch mit to stehen: help me to carry, beides ist korrekt)
Ein wichtiger Punkt zum Passiv: Der bloße Infinitiv bleibt nur im Aktiv erhalten. Sowohl make als auch die Wahrnehmungsverben bekommen im Passiv wieder ein to: ✅ She was made to redo the report; ✅ He was seen to leave the building; ✅ She was heard to sing the song.
Häufige Fehler
- To smoke is bad for you (grammatisch korrekt, aber förmlich/steif) → natürlicher: ✅ Smoking is bad for you. (ein Gerundium als Subjekt ist die alltägliche Wahl)
- ❌ I regret to leave my last job (in der Bedeutung "ich wünschte, ich hätte nicht gekündigt") → ✅ I regret leaving my last job. (regret + to dient nur der förmlichen Ankündigung schlechter Nachrichten, nicht persönlichem Bedauern über die Vergangenheit)
- ❌ I'm used to work nights. → ✅ I'm used to working nights. (nach be used to folgt -ing, nicht die Grundform)
- ❌ I saw him to leave. → ✅ I saw him leave. (Wahrnehmungsverben stehen mit bloßem Infinitiv, nicht mit to)
- ❌ My parents let me to stay up late. → ✅ My parents let me stay up late. (let steht mit bloßem Infinitiv, nie mit to)
Teste dich
Vervollständige jeden Satz mit der richtigen Form des Verbs in Klammern.
- I'm not used to ____ (get) up so early.
- We saw the thief ____ (run) all the way down the street and disappear.
- After years in the city, she's used to ____ (live) with the noise.
- He went on ____ (explain) the second point after finishing the first.
- My teacher let us ____ (leave) early yesterday.
Antworten anzeigen
- getting 2. run 3. living 4. to explain 5. leave
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Das Wichtigste
- Ein Gerundium kann das Subjekt eines Satzes sein oder nach be stehen — Swimming is good exercise, nicht das steifere to swim.
- Regret, mean, go on reihen sich neben remember, forget, stop, try als Verben ein, deren Bedeutung sich mit -ing oder to ändert — regret + to ist eng begrenzt und dient vor allem der förmlichen Ankündigung schlechter Nachrichten.
- Used to + Grundform ist eine vergangene Gewohnheit; be/get used to + -ing bedeutet, an etwas gewöhnt zu sein/sich daran zu gewöhnen, in welcher Zeitform auch immer nötig — verwechsle die beiden used to nicht.
- Wahrnehmungsverben (see, hear, watch, notice) stehen mit Objekt + bloßem Infinitiv für eine abgeschlossene Handlung und mit Objekt + -ing für eine im Verlauf erfasste.
- Make, let und help stehen mit Objekt + bloßem Infinitiv (ohne to) — help erlaubt aber auch to, und make bekommt im Passiv wieder ein to.