Ich weiß nicht, ob er heute kommt.
Eine indirekte Frage ist eine Frage, die in einen übergeordneten Satz eingebettet ist — nach Ich weiß nicht …, Können Sie mir sagen …, Sie fragt …. Sie steht nicht mehr als selbstständige Frage, sondern als Nebensatz: Das finite Verb rückt ans Ende, und ein Komma trennt sie vom einleitenden Teil.
Kurz gesagt: Ja/Nein-Frage → mit ob einleiten. W-Frage → dasselbe W-Wort behalten (wer, was, wann, wo, wie, warum, welch-). In beiden Fällen: Verb ans Ende, Komma vor dem Nebensatz, und ein Fragezeichen für den ganzen Satz nur, wenn der einleitende Teil selbst eine Frage ist (Weißt du, …?).
Im Englischen bleibt das Verb an seinem Platz, und if steht sowohl für ob (Frage) als auch für wenn (Bedingung oder Zeit). Das Deutsche trennt beides: ob leitet die eingebettete Frage ein, wenn einen Bedingungs- oder Zeitsatz — und im Nebensatz wandert das Verb ans Ende.
Ja/Nein-Fragen: ob
Eine Frage ohne Fragewort (mit ja/nein zu beantworten) wird mit ob eingebettet:
| Direkt | Indirekt |
|---|---|
| Kommt sie mit? | Ich frage mich, ob sie mitkommt. |
| Hast du Zeit? | Sag mir, ob du Zeit hast. |
| Kann er schwimmen? | Ich weiß nicht, ob er schwimmen kann. |
ob steht immer mit einem vollständigen Nebensatz und dem Verb am Ende. Die beiden Antwortmöglichkeiten lassen sich mit oder nicht ausdrücklich nennen: Ich weiß nicht, ob es stimmt oder nicht.
W-Fragen: das Fragewort behalten
Beginnt die direkte Frage mit einem W-Wort, leitet dasselbe Wort den Nebensatz ein — wer, wen, wem, wessen, was, wann, wo, wohin, woher, wie, warum, wieso, weshalb, welch-, wie viel(e), was für:
- Wo wohnst du? → Ich möchte wissen, wo du wohnst.
- Wann fängt der Film an? → Weißt du, wann der Film anfängt?
- Warum hat sie das gesagt? → Ich verstehe nicht, warum sie das gesagt hat.
- Wie viel kostet das? → Können Sie mir sagen, wie viel das kostet?
Geht es um eine Sache und ist eine Präposition im Spiel, bleibt die wo(r)--Verbindung erhalten — worauf, womit, wovon (siehe Präpositionaladverbien). Bei einer Person steht stattdessen Präposition + wem / wen:
- Worauf wartest du? → Ich weiß nicht, worauf du wartest. (eine Sache)
- Mit wem sprichst du? → Sie fragt, mit wem ich spreche. (eine Person → mit wem, nicht womit)
Wortstellung: Verb ans Ende
Die eine strukturelle Änderung: In der direkten Frage steht das Verb an erster oder zweiter Stelle; die indirekte Frage ist ein Nebensatz, also rückt das finite Verb ans Ende — genau wie bei weil- / dass-Sätzen.
- Wann kommt der Bus? → …, wann der Bus kommt.
- Trennbares Verb — die Teile treffen sich am Ende wieder: Wann fährt der Zug ab? → …, wann der Zug abfährt.
- Modalverb — das finite Modalverb steht ganz am Ende, nach dem Infinitiv: Was willst du essen? → …, was du essen willst.
- Perfekt — das Hilfsverb steht zuletzt: Was hat er gesagt? → …, was er gesagt hat.
Es gibt keine Inversion und kein Hilfsverb wie das englische do: ❌ …, ob kommt er — ✅ …, ob er kommt.
Häufige Einleitungen
Aussagen (Satz endet mit Punkt):
- Ich weiß nicht, … / Ich frage mich, … / Ich habe keine Ahnung, …
- Ich möchte wissen, … / Es ist unklar, … / Niemand weiß, …
Fragen und höfliche Bitten (Satz endet mit Fragezeichen):
- Weißt du, …? / Wissen Sie, …?
- Können Sie mir sagen, …? / Könnten Sie mir sagen, …?
- Darf ich fragen, …?
Indirekte Fragen sind die normale Art, eine Bitte höflich klingen zu lassen: Können Sie mir sagen, wo der Bahnhof ist? ist sanfter als ein bloßes Wo ist der Bahnhof?
Zeichensetzung: immer Komma, manchmal Fragezeichen
- Vor dem Nebensatz steht immer ein Komma — ausnahmslos.
- Das Fragezeichen gehört zum ganzen Satz, nicht zum eingebetteten Teil. Es steht nur, wenn der einleitende Satz eine Frage ist:
- Weißt du, wann sie kommt? (der Hauptsatz Weißt du ist eine Frage)
- Ich weiß nicht, wann sie kommt. (der Hauptsatz ist eine Aussage)
- Nie ein Fragezeichen in der Mitte: ❌ Ich weiß nicht, wann kommt sie? …
Häufige Fehler
- ❌ Ich weiß nicht, wenn er kommt. → ✅ Ich weiß nicht, ob er kommt. (wenn leitet einen Bedingungs- oder Zeitsatz ein, nie eine eingebettete Frage — dafür steht ob)
- ❌ Sie fragt, ob kommt er mit. → ✅ Sie fragt, ob er mitkommt. (Verb ans Ende, keine Inversion)
- ❌ Weißt du, wo ist der Ausgang? → ✅ Weißt du, wo der Ausgang ist?
- ❌ Ich möchte wissen, wie viel kostet es? → ✅ Ich möchte wissen, wie viel es kostet. (Aussage → Punkt, Verb zuletzt)
- ❌ Ich frage mich ob das stimmt. → ✅ Ich frage mich*,** ob das stimmt.* (Komma vor dem Nebensatz)
- Für eine offene Ja/Nein-Frage ob, nicht dass: Er will wissen, ob ich komme. („ob ich komme"). Er will wissen, dass ich komme. ist auch korrektes Deutsch, nennt aber eine Tatsache („dass ich komme") statt zu fragen.
Kurzer Check
Mach aus der direkten Frage eine indirekte, mit dem vorgegebenen Anfang.
- Kommt der Zug pünktlich? — Ich weiß nicht, …
- Wo hast du das gekauft? — Sag mir, …
- Warum ist sie gegangen? — Ich verstehe nicht, …
- Kann ich hier parken? — Können Sie mir sagen, …?
- Wann fängt das Konzert an? — Weißt du, …?
Antworten anzeigen
- Ich weiß nicht, ob der Zug pünktlich kommt.
- Sag mir, wo du das gekauft hast.
- Ich verstehe nicht, warum sie gegangen ist.
- Können Sie mir sagen, ob ich hier parken kann?
- Weißt du, wann das Konzert anfängt?
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Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine indirekte Frage ist ein Nebensatz: finites Verb ans Ende, Komma davor.
- Ja/Nein-Frage → ob; W-Frage → dasselbe W-Wort behalten.
- ob leitet die eingebettete Frage ein — nie wenn dafür; dass ist grammatisch, nennt aber eine Tatsache, keine Frage.
- Keine Inversion im Nebensatz: …, ob er kommt, nicht …, ob kommt er.
- Fragezeichen nur, wenn der einleitende Satz selbst eine Frage ist (Weißt du, …?); sonst ein Punkt.
- Können Sie mir sagen, …? ist die höfliche Standardform.