Manchmal willst du eine weitverbreitete Meinung, eine Behauptung oder eine Nachricht wiedergeben, ohne genau zu sagen, wer sie geäußert hat — people say she's brilliant, aber wer genau sind "people"? Das Englische hat dafür eine elegante unpersönliche Struktur: das Passiv mit Verben der Redewiedergabe wie say, believe, think und report: she is said to be brilliant. Das baut direkt auf dem Passiv in present und past simple auf — dieselbe Idee be + Partizip Perfekt, nur angewendet auf Verben der Aussage und Meinung.

Kurzversion: Es gibt zwei gängige Muster. It + is/was + Partizip Perfekt + that... (it is said that she is brilliant) und Subjekt + is/was + Partizip Perfekt + to (have) + Verb (she is said to be brilliant). Beide drücken oft dieselbe Grundidee aus, aber das zweite Muster ist nicht mit jedem Verb der Redewiedergabe gleich natürlich — siehe unten.

Muster 1: It + passivisches Redewiedergabeverb + that-Satz

Dieses Muster beginnt mit dem "leeren" Subjekt it, gefolgt von einem passivischen Verb der Redewiedergabe, gefolgt von einem vollständigen that-Satz mit der eigentlichen Information:

  • It is said that the company is losing money.
  • It is believed that the missing hikers are still alive.
  • It was reported that the road would reopen soon.
  • It is thought that early humans arrived here 10,000 years ago.

Dieses Muster greifst du oft zuerst, weil der that-Satz danach seine eigene Zeitform frei behält, genau wie ein normaler Satz — kein Infinitiv muss angepasst werden. That bleibt oft aus Klarheitsgründen stehen, wird aber in Nachrichten oder formeller Schrift auch oft weggelassen (it is said she is brilliant).

Muster 2: Subjekt + passivisches Redewiedergabeverb + Infinitiv

Das zweite Muster stellt das eigentliche Subjekt des that-Satzes an den Satzanfang und macht den Rest zu einem Infinitiv:

  • It is said that she is brilliant.She is said to be brilliant.
  • It is believed that they left the country.They are believed to have left the country.
  • It was reported that the factory had closed.The factory was reported to have closed.

Im Deutschen gibt es für genau diese Bedeutung ein eigenes Modalverb: sollen im evidenziellen Sinn. Sie soll sehr klug sein entspricht she is said to be very clever, und er soll die Prüfung bestanden haben entspricht he is said to have passed the exam — praktischerweise verrät dir das deutsche haben sogar, wann du im Englischen den Perfektinfinitiv brauchst.

Welchen Infinitiv du verwendest, hängt davon ab, wann die berichtete Handlung im Verhältnis zum Verb der Redewiedergabe geschieht:

Zeitverhältnis Infinitivform Beispiel
Gleichzeitig oder allgemeine Wahrheit to + Grundform He is thought to be abroad. (jetzt)
Früher als das Verb der Redewiedergabe to have + Partizip Perfekt He is thought to have left the country. (das Verlassen geschah vor jetzt)
Andauernd/im Verlauf to be + -ing He is believed to be hiding somewhere in the city.
Passivisches Ereignis, gleiche/spätere Zeit to be + Partizip Perfekt The building is expected to be demolished next year.
Passivisches Ereignis, früher to have been + Partizip Perfekt The bridge is said to have been built in 1920.

is thought to be beschreibt einen gegenwärtigen Zustand, aber ❌ is thought to have be ist keine reale Form — der Perfektinfinitiv lautet ✅ is thought to have been, nicht ❌ to have be: He is thought to have been the last person to see her.

Eine zukünftige Bedeutung passt am natürlichsten zu expect: Prices are expected to rise next year. Bei den meisten anderen Verben der Redewiedergabe lässt sich ein zukünftiges Ereignis natürlicher mit Muster 1 und will im that-Satz ausdrücken: It is believed that he will arrive tomorrow klingt natürlicher als he is believed to arrive tomorrow.

Das existenzielle there is / there are kann genauso nach vorne rücken wie ein gewöhnliches Subjekt: It is said that there are secret tunnels under the city.There are said to be secret tunnels under the city.

Enthält der that-Satz ein Modalverb (can, must, should), gibt es keinen Infinitiv, der ein Modalverb direkt tragen kann — ❌ he is said to can speak six languages ist keine reale Form. Die sicherste Option bleibt Muster 1 (it is said that he can speak six languages); manchmal lässt sich die Bedeutung des Modalverbs auch umschreiben, wobei sich die Nuance leicht verschieben kann: canis said to be able to (he is said to be able to speak six languages), must (Schlussfolgerung) bleibt meist besser bei Muster 1 statt umgewandelt zu werden (it is believed that he must be hiding nearby, keine natürliche Infinitivform), und should (Verpflichtung) lässt sich oft besser mit einem ganz anderen Verb umschreiben: it is said that employees should apply onlineemployees are expected to apply online.

Häufige Verben der Redewiedergabe in diesem Muster

Diese Muster sind gängig bei Verben des Sagens, Berichtens, Glaubens, Wissens, Urteilens und Schätzens: say, report, believe, think, know, consider, understand, claim, allege, expect, estimate, rumour (meist nur passiv: it is rumoured that...). Nicht jedes Verb passt gleich gut in beide Muster — announce zum Beispiel ist in Muster 1 (it was announced that the winners would be revealed) deutlich üblicher als in Muster 2 (❌ the winners were announced to be revealed klingt nicht natürlich).

  • It is estimated that the bridge cost over $2 billion.
  • The suspect is alleged to have stolen the funds.
  • Prices are expected to rise next year.
  • She is considered to be one of the best players of her generation.consider passt besonders gut in Muster 2, wo to be oft entfällt: she is considered one of the best players... Muster 1 mit consider ist formeller und steht meist mit einem Adjektiv: it is considered likely that prices will rise.

Vergangene Redewiedergabe: is said vs was said

Beide Teile können in der Vergangenheit stehen, und jeder trägt eine andere Bedeutung — die Zeitform des passivischen Hilfsverbs be zeigt, wann der Bericht, die Meinung oder die Behauptung als aktuell dargestellt wird, während der Infinitiv (in Muster 2) zeigt, wann die berichtete Handlung geschah:

  • He is said to have won three medals. — die Behauptung existiert jetzt, und das Gewinnen geschah vor jetzt.
  • He was said to have won three medals. — die Behauptung existierte zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit (vielleicht wurde sie inzwischen widerlegt, oder man sagt es einfach nicht mehr), und das Gewinnen geschah vor diesem vergangenen Zeitpunkt.

is said to have won unterscheidet sich von ❌ is said to won — der Perfektinfinitiv braucht immer have, nie die bloße Vergangenheitsform: nur ✅ to have won, nie ❌ to won oder ❌ to had won.

Häufige Fehler

  • She is said being rich. → ✅ She is said to be rich. (der Infinitiv, nicht -ing, für einen gegenwärtigen Zustand)
  • He is believed to left. → ✅ He is believed to have left. (eine abgeschlossene frühere Handlung braucht den Perfektinfinitiv to have + Partizip Perfekt)
  • He is said to have win. → ✅ He is said to have won. (der Perfektinfinitiv verwendet immer das Partizip Perfekt, nicht die Grundform)
  • He is said to will win. → ✅ It is said that he will win. / ✅ He is expected to win. (ein Modalverb wie will kann nicht direkt nach dem Infinitiv to stehen — bleib bei Muster 1, oder nimm ein Verb wie expect, das die Zukunftsbedeutung schon selbst trägt)

Teste dich

Formuliere jeden Satz mit dem angegebenen Muster um.

  1. People believe the painting is a fake.It ____.
  2. It is thought that she has already left.She ____.
  3. People say the bridge was built in 1920.The bridge ____.
  4. It is reported that the strike is continuing.The strike ____.
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  1. It is believed that the painting is a fake.
  2. She is thought to have left already.
  3. The bridge is said to have been built in 1920.
  4. The strike is reported to be continuing.

Das Wichtigste

  • Passivische Verben der Redewiedergabe lassen dich eine Behauptung, Meinung oder Nachricht ausdrücken, ohne zu sagen, wer sie vertritt.
  • Muster 1: It + is/was + Partizip Perfekt + that... — behält die normale Zeitform im that-Satz.
  • Muster 2: Subjekt + is/was + Partizip Perfekt + to (have) + Verb — stellt das eigentliche Subjekt an den Satzanfang und macht aus der Behauptung eine Infinitivkonstruktion.
  • Nimm to + Grundform für dieselbe Zeit wie das Verb der Redewiedergabe (oder, besonders nach expect, eine zukünftige Zeit), to have + Partizip Perfekt für etwas Früheres, to be + -ing für etwas Andauerndes, und to be/have been + Partizip Perfekt, wenn die berichtete Handlung selbst passivisch ist.
  • Häufige Verben: say, report, believe, think, know, consider, understand, claim, allege, expect, estimate, rumour — nicht alle passen gleich gut in beide Muster.
  • Die Zeitform des passivischen be (is said vs. was said) zeigt, wann der Bericht oder die Meinung als aktuell gilt — unabhängig davon, wann die berichtete Handlung selbst geschah.
  • Ein Modalverb im that-Satz (can, must, should) lässt sich nicht direkt in einen Infinitiv umwandeln — bleib bei Muster 1, oder formuliere um (is said to be able to für can).